Phoenix-Gebäude

Nur die Heizung läuft

Harburg Bezahlbare Flächen für Wohnraum und Gewerbe sind rar in der Hansestadt. Darum kann man sich eigentlich nur ungläubig die Augen reiben: Im Herzen Harburgs stehen auf dem Gelände des Phoenixwerks 33 000 Quadratmeter leer. Schier unglaubliche Dimensionen. Und eigentlich ein Traum für Investoren. In bester Lage, so groß wie sechs Fußballfelder.
Phoenix

Wohnen und feiern hier in der Hauptverwaltung schon bald Studenten?

Doch für die beiden Produktionshallen (rund 21 000 Quadratmeter) und das ehemalige Hauptverwaltungsgebäude der Phoenix (rund 12 000 Quadratmeter) haben sich bisher keine Interessenten gefunden. Conti kostete der Unterhalt seit 2007 rund 1,75 Millionen Euro. Für nichts.

Unlängst präsentierte Dr. Peter Scholtissek, Geschäftsführer der Phoenix Compounding Technology GmbH, Pläne für die Zukunft der denkmalgeschützten Gebäude. Die HAN hatten berichtet - Bezirk und Unternehmen hoffen auf die Kreativwirtschaft. Grafiker, Künstler, Ateliers, kleine Handwerksbetriebe, Architekten, Galerien, vielleicht ein Musikclub sollen das Phoenixareal beleben. Baudezernent Jörg Heinrich Penner könnte sich auch Studentenheime vorstellen. Zumal das noch der Erbpacht unterliegende Hauptverwaltungsgebäude im März 2013 an Hamburg fällt.

Doch ist das realistisch? Die alten Gebäude stehen schon seit 2007 leer. Seit der Übernahme der Phoenix durch Conti werden sie nicht mehr gebraucht. Laut Bezirksamt und Conti gab es immer wieder Gespräche mit Interessenten. Doch keiner hat bisher investiert. Die HAN haben sich ein Stück Industriegeschichte genauer angeschaut.

Für eine erfolgreiche Suche nach Mietern und Investoren spricht zunächst einiges. Das wunderschöne, einzigartige Flair der alten, denkmalgeschützten Industriehallen. Gründerzeit pur: Hier wird der Denkmalschutz zum Standortfaktor. Jörg Penner: "Das Gängeviertel ist banal dagegen!" Der Bahnhof vor der Tür. A1 und A7 sind schnell erreicht. "Und auch die Mieten sind insgesamt eher günstig", erläutert Scholtissek. Schaut man genauer hin, zeigt sich: der Nutzung steht auch einiges im Wege.

Lärmschutzauflagen verhindern Wohnbebauung. Lediglich spezielle Wohnformen wie Studentenwohnungen wären möglich. Auch Einzelhandelsbetriebe sind kein Thema. Darum planen Phoenix/Conti und der Bezirk eine Nutzung aus dem kulturellen Bereich. Die Sammlung Falckenberg in den Phoenixhallen sei ein erster Schritt, so Penner.

Aber auch der Denkmalschutz ist nicht nur Segen. Bautechnische Auflagen machen die Nutzung teuer. Mieter müssten erhebliche Summen aufwenden, um die fast 100 Jahre alten Gebäude auf einen zeitgemäßen technischen Standard zu bringen. Zudem sind sie bisher nur über das Werksgelände und durch die Sammlung Falckenberg zu erreichen. Nötig wären der Bau einer Erschließungsstraße, neue Parkplätze und eine Abtrennung vom Rest des Areals.

Damit sich dies lohnt, strebt Conti die Vermietung größerer Flächen an: "Wir können nicht einfach nur 100 Quadratmeter vermieten. Wir sind keine Mietagentur und suchen deshalb einen Ankermieter - eine Betreibergesellschaft, die das regelt", so Scholtissek.

Eine weitere Hürde für Investoren bildet die Belastung des gesamten Geländes mit Nitrosamin. Dieser krebserregende Stoff entsteht bei der Vulkanisation von Gummi. Das kann man zwar durch mechanisches Lüften, Wandeinfassungen und Tapeten in den Griff bekommen. Aber eben auch nicht zum Nulltarif. Ein Gründerzeittraum sucht neue Mieter. Jetzt sind die Kreativen gefragt.