Nöldekestraße
Hat sich die Stadt verzockt?
Sechs Jahrzehnte war das rote Backsteingebäude an der Nöldekestraße eine von zwei Polizeiwachen in Harburg. Aber seit im Dezember 2008 die letzten Beamten ihre Diensträume verlassen haben, steht der imposante Bau leer. Seitdem läuft nur noch die Heizung in den 55 Räumen. Die Kosten dafür trägt der Steuerzahler. Über die genaue Summe schweigt die zuständige Finanzbehörde. Nach Schätzungen von Maklern dürften diese bis heute mehr als 200 000 Euro betragen. Nicht das einzige Ärgernis.
Harburg. Bis zum heutigen Tag liegt von Seiten der Behörde kein schlüssiges Nutzungskonzept für das ehemalige Polizeigebäude vor. Nach dem Auszug der Wache wurde das Haus von der Hamburgischen Immobilien Management Gesellschaft mbH der Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement (HGV) übertragen. Dort heißt es lapidar: "In enger Abstimmung mit dem Bezirk prüfen wir seitdem, welche Nutzungsmöglichkeiten es gibt." Ein Ergebnis liegt bis heute nicht vor.
Dabei mangelt es offenbar nicht an Ideen. Diese allerdings kommen nicht von der Behörde. Ein fertiges Konzept präsentierte die Harburger Gruppe SuedKultur. Vorgesehen darin: Proberäume, Aufnahmestudios, ein Café, Musiker-Wohnungen. Mit dem Eisenbahnbauverein (EBV) hatte man auch einen interessierten Partner gefunden. Dieser wollte das Gebäude kaufen und dann an die Kulturschaffenden vermieten. Jetzt die Absage. Offizielle Begründung: "Das Gebäude ist zu groß", sagt EBV-Vorstandsmitglied Alexandra Chrobok. Wahrscheinlicher ist, dass die Verhandlungen abgebrochen wurden, weil die HGV überzogene Preisvorstellungen hatte. Nach HAN-Informationen verlangt die Gesellschaft eine Summe von rund zwei Millionen Euro.
Bezirksamtsleiter Thomas Völsch rechtfertigt die Millionensumme. Dabei wäre auch für ihn die kulturelle Nutzung die beste Lösung: "Das Problem ist immer, dass die Stadt marktübliche Preise verlangen muss. Weniger darf Hamburg nicht verlangen. Es geht schließlich um Steuergeld."
