Thalia

Bücher nur noch Ladenhüter?

Der deutsche Buchmarkt steht vor dem größten Umbruch seiner Geschichte. Sinkende Umsätze und das Internet als Konkurrenz setzen auch der Buchhandelskette Thalia zu. In Schwierigkeiten geraten durch die wachsende Dominanz des Onlinehändlers Amazon, steht die Kette derzeit zum Verkauf. Thalia-Filialen sind von der Schließung bedroht. Wie aber steht es um die lokalen Buchhändler? Haben kleine Buchläden überhaupt eine Zukunft?

Harburg. "Wir machen hier einen Job in fröhlicher Selbstausbeutung", stellt Uta Neb von der Buchhandlung Slawski in Buchholz nicht ohne Selbstironie fest. "Wer viel Geld verdienen möchte, sollte etwas anderes machen." Eine Zukunft für den Buchhandel sieht sie aber dennoch: So lange die Buchpreisbindung bestehe, blieben die kleinen Anbieter mit ihrem auf ihr Umfeld zugeschnittenen Angebot interessant - man sei flexibler als die großen, nach den Bestsellerlisten ausgerichteten Ketten, sagt die Buchhändlerin. "Einen Buchladen muss man mit Leidenschaft und Idealismus betreiben", bestätigt Susanne Ludorf von der Hittfelder Buchhandlung Seevetal: "Wir können einen Kontrapunkt zu den Großhändlern und zum alles bestimmenden Internet setzen."

Dieser Einschätzung widersprechen allerdings Zahlen der Börsenvereinigung des deutschen Buchhandels für Niedersachsen/Bremen: Gab es 2007 noch 430 unabhängige Buchhändler in der Region, waren es 2011 nur noch 365, hinzu kamen dafür 149 Filialen von Ketten.

Auch Iris Schoof bangt um ihr Geschäft. Sie betreibt seit 30 Jahren den Jesteburger Buchladen. In den vergangenen Jahren musste Schoof zusehen, wie ihre Umsätze sukzessive zurückgingen. "Wegen eines Buchs kommt kaum noch jemand ins Dorf." Sie lebe von den treuen Stammkunden, die die individuelle Beratung schätzten: "Ob ich den Laden aber bis zur Rente weiterführen kann, weiß ich nicht", sagt die 58-Jährige, die sich ein wenig mehr Solidarität mit den örtlichen Geschäftsleuten wünschen würde: "Amazon ist es egal, ob unser Dorf ausstirbt."

Deutlich positiver stellt sich die Situation in Harburg dar - trotz der dort vorhandenen Konkurrenz von Thalia, Weltbild und Co. Zwar haben mit den Buchhandlungen Stein und Eichler zwei Anbieter in den vergangenen Jahren ihre Türen geschlossen und Buchhändler Schubring ging an Thalia. Doch die "Übrigen" kommen gut zu Recht, wie Hans-Georg Schmitt von der Buchhandlung Am Sand sowie Regine Schneider, Inhaberin der Traditionsbuchhandlung Leicher’s in Heimfeld bestätigen. Ihr Erfolgsgeheimnis sei der persönlichen Kundenkontakt. Die Zahlen belegen dies eindrucksvoll: Beide verzeichnen für das abgelaufene Geschäftsjahr einen deutlichen Umsatzanstieg.