Heimfeld
Wie hoch wird hier gebaut?
Heimfeld ist eines der begehrtesten Wohngebiete Harburgs. Eine eigene S-Bahn-Station, Schulen, Kitas, die Technische Universität nebenan, auch der Wald um Meyers Park ist fußläufig zu erreichen.
Heimfeld. Ausgerechnet mitten in Heimfeld steht seit Jahrzehnten eine verwahrloste Garagenanlage. Ursprünglich gehörte das 9000 Quadratmeter große Areal zur Kaserne An der Rennkoppel. Als diese zum Altersheim umgebaut wurde, vermietete der Bund die Garagen an wechselnde Nutzer: das Technische Hilfswerk, zuletzt die Freiwillige Feuerwehr Harburg. Jetzt hat der Bund das Gelände verkauft. Der neue Eigentümer - die Heimfelder Terrassen GmbH - will einen Wohnkomplex errichten. Darüber, dass hier neue Wohnungen entstehen sollen, herrscht Einigkeit. Aber über die Frage, in welchem Umfang, ist eine heftige Debatte ausgebrochen.
Denn statt der im Bebauungsplan zulässigen drei Geschosse sollen fünf entstehen. Einen entsprechenden Antrag hat das Bezirksamt Harburg bestätigt. Seitdem die Pläne für den Neubau mit 143 Wohnungen den Nachbarn vorgestellt wurden, formiert sich der Widerstand. Unter anderem Gunda Arens (49) und Monika Berrier (43) sammeln Unterschriften gegen das Bauprojekt. Berrier: "Es ist schlichtweg zu groß. Die Fläche liegt zwischen den dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern am Alten Postweg und den zweigeschossigen Reihenhäusern am Gildering. Es sollte einen Übergang bilden. Das, was jetzt geplant ist, ist ein absoluter städtebaulicher Bruch." Auch die Einfahrt zur Tiefgarage bereitet den Nachbarn Sorgen. Sie liegt an einer Spielstraße, in unmittelbarer Nähe zur Grundschule Grumbrechtstraße. Berrier: "Jedem sollte klar sein: Je mehr Autos dort rein- und rausfahren, umso gefährlicher ist es."
Die Unterschriftenlisten haben zwar keine rechtlichen Auswirkungen. Sie werden aber laut Bezirksamt in dem derzeitigen Abwägungsprozess berücksichtigt. Bezirkssprecherin Beatrice Göhring deutet gegenüber den HAN aber bereits an: "Der fünfgeschossige Neubau beschränkt sich auf Teile, die eine zusätzliche Verdichtung durchaus vertretbar erscheinen lassen."
Kritik an dem Bauprojekt kommt aber nicht nur von Nachbarn. Sondern auch von den Harburger Grünen. Deren Fraktionsvorsitzenden Ronald Preuß geht es dabei vor allem um die Mietpreise und die fehlenden Sozialwohnungen. "Während nach dem Willen der SPD am Stadtrand auf dem Gelände der ehemaligen Röttiger-Kaserne zusätzlich geförderter Geschosswohnungsbau entstehen soll, will man in Heimfeld darauf vollständig verzichten. Der Investor plant dort ausschließlich frei finanzierte Wohnungen mit Nettokaltmieten von mehr als zehn Euro pro Quadratmeter." Von den derzeit rund 9000 Sozialwohnungen im Bezirk Harburg gehen laut Statistik (siehe Kasten) mehr als ein Viertel bis zum Jahr 2016 aus der Sozialbindung heraus. Im Klartext heißt das: Sie werden teurer. Preuß: "Ich halte es für falsch, dass der Investor und die politische Mehrheit im Bezirk hierauf keine Rücksicht nehmen." Es sei bedauerlich, dass Bezirksamt und SPD-Mehrheit keine klare Linie erkennen lassen, "wie es mit dem Wohnungsbau im Bezirk Harburg weitergehen soll".
