Firmeninhaberin angeblich zahlungsunfähig

616 Gläubiger sollen verzichten

Winsen. Sie steht mit über 600 000 Euro in der Kreide. Doch ihre 616 Gläubiger auch Betroffene aus Harburg Stadt und Land haben von Sabine Janssen,...
Winsen.

Sie steht mit über 600 000 Euro in der Kreide. Doch ihre 616 Gläubiger auch Betroffene aus Harburg Stadt und Land haben von Sabine Janssen, geschiedene Bauer, keinen Cent zu erwarten: Die 49-Jährige, vor deren unseriöser Firma DTC die Verbraucherzentrale Hamburg schon seit Jahren warnt, ist zahlungsunfähig. Angeblich erhält die Firmeninhaberin jetzt Arbeitslosengeld II. Recherchen der HAN brachten allerdings ein anderes Ergebnis zu Tage: Sabine Janssen hat mit einem Partner ein neues Unternehmen gestartet: "Flirt4You". Laut Internet handelt es sich um eine in Bremen und Hamburg tätige Agentur für die "etwas andere Partnersuche".

Unterdessen liegt den Gläubigern der zahlungsunfähigen Inhaberin der Bremer (Gewinnspiel-) Reisefirma DTC Telefonmarketing und Call Center seit kurzem die Mitteilung vor, die in Kirchweyhe lebende Frau sei nicht in der Lage, "die Verbindlichkeiten in Höhe von Euro 620 204,63 zu bedienen oder zurückzuzahlen". Vermögen in Form von Spar- oder Bankguthaben oder Grundbesitz sei nicht vorhanden.

So jedenfalls heißt es in dem Schreiben der Delmenhorster Schuldnerberatung für Verbraucher und Kleingewerbetreibende e.V., die gleichzeitig einen Schuldenbereinigungsplan "im Rahmen des so genannten flexiblen Nullplanes" vorlegt. Im Klartext: Die Gläubiger werden gebeten, auf ihre Forderungen zu verzichten. Andernfalls müsse Sabine Janssen einen Antrag zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. Etliche Gläubiger sollen allerdings bereits mitgeteilt haben, dass sie ihr Geld zurückhaben wollen.

Der Schuldenberg der 49-Jährigen besteht aus Außenständen bei Firmen, Finanzämtern, Krankenkassen, Energieversorgern und der Rentenversicherung. Außerdem wollen Privatpersonen aus ganz Deutschland Anzahlungen für Reisen oder Reise-Nebenkosten zurückhaben, weil dafür keine Gegenleistungen erfolgten. Die HAN berichteten bereits ausführlich über den Fall einer geschädigten Winsenerin.

Während die Gläubiger auf ihren Forderungen sitzenbleiben, ist die angebliche Arbeitslosengeld-II-Empfängerin Sabine Janssen schon wieder unternehmerisch tätig. Und wieder spielen Reisevermittlungen eine Rolle nur dass sie diesmal "Single-Event" genannt werden.

Seite 12, Kommentar S. 2