Eltern fordern: Statt "Bildungsbulimie" Stoff besser verteilen
Mehr Lehrer für die Turbo-Abiturienten
Claudia MichaelisNenndorf/Winsen. Das "Turbo-Abitur", das Niedersachsens jetzige Neuntklässler 2011 erstmals nach acht statt neun Schuljahren...
Claudia Michaelis
Nenndorf/Winsen. Das "Turbo-Abitur", das Niedersachsens jetzige Neuntklässler 2011 erstmals nach acht statt neun Schuljahren machen, ist nach übereinstimmender Meinung von Eltern und Schülern im Landkreis eine erhebliche Belastung für die Gymnasiasten. Eine Befragung der Schulelternräte mehrerer Gymnasien im Landkreis durch den Kreis-Elternrat (KER) habe jedoch ebenso übereinstimmend ergeben, dass das Problem dieser Belastung gut zu lösen wäre nämlich durch kleinere Klassen und mehr Lehrer, sagt der Kreis-Elternratsvorsitzende Fritz Hullen. Vor diesem Hintergrund fordert der Kreis-Elternrat jetzt das Kultusministerium auf, für den besonders belasteten Jahrgang kurzfristig mehr Lehrer bereitzustellen.
Im nächsten Schuljahr müssten große Klassen geteilt oder zumindest der Unterricht in kleinen Lerngruppen ermöglicht werden, fordert der KER, der sich in seiner jüngsten Sitzung in Nenndorf mit dem Thema beschäftigt hat. Was derzeit an den Gymnasien stattfinde, hätten Elternvertreter als "Bildungsbulimie" bezeichnet "nur hineinfressen und hinterher wieder auskotzen", weiß Hullen, der im Landes-Elternrat (LER) den Ausschuss Gymnasien leitet.
Würden hingegen die Klassen kleiner und die Stofffülle besser verteilt, könnten die Schüler das Abitur auch in der kürzeren Zeit gut schaffen. Auch der LER war nicht gegen die Verkürzung, als sie vor Jahren noch zu Zeiten der SPD-Regierung beschlossen wurde, erinnert Hullen. Jedoch hätten die Eltern schon damals gefordert, dass dafür eine andere Art des Unterrichts vonnöten sei. "Diese Erwartungen haben sich bis heute nicht erfüllt. Die Lehrer müssen wieder unterrichten können, statt den Schülern das Wissen mit dem Nürnberger Trichter einzutrichtern."
Zwar gebe es inzwischen Kerncurricula, die nicht mehr den Stoff vorgeben, sondern beschreiben, was der Schüler am Ende eines Schuljahrs beherrschen muss. Die meisten Lehrer wüssten aber nicht, wie diese Kerncurricula umgesetzt werden sollen, sagt Hullen. Überlegungen, im siebenstündigen Schulalltag mehr Doppelstunden statt sieben verschiedene Fächer zu unterrichten, könnten die Schulen jetzt schon ebenso selbst aufgreifen wie die Möglichkeit, auf Hausaufgaben zu verzichten, regt der KER an. Weitere Überlegungen gingen dahin, die Gymnasien in Ganztagsschulen umzuwandeln und die Schulen selbst entscheiden zu lassen, ob sie die jetzigen Neuntklässler nach acht oder neun Jahren Abitur machen lassen.
