Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen den Winsener Amtsarzt Hans Jürgen Quathamer

Ohne Kontrolle Süchtige versorgt

Wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in mehr als 1200 Fällen und des Abrechnungsbetrugs in fünf Fällen hat die Staatsanwaltschaft...

Wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in mehr als 1200 Fällen und des Abrechnungsbetrugs in fünf Fällen hat die Staatsanwaltschaft Lüneburg jetzt Anklage gegen den Winsener Arzt Hans Jürgen Quathamer erhoben. Das bestätigte gestern der Sprecher der Staatsanwaltschaft Lüneburg, Oberstaatsanwalt Manfred Warnecke, den HAN.

Der Neurologe und Psychiater ist im Hauptberuf beim Landkreis Harburg als Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes tätig. Nebenberuflich war Quathamer bis 2007 als Arzt in der Drogensubstitution tätig. In dieser Funktion warer im Juli vergangenen Jahres ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten, die seither gegen den 60-jährigen Mediziner ermittelt. Dabei hat sich der Anfangsverdacht erhärtet: So soll Quathamer über Jahre hinweg ohne die vorgeschriebenen Behandlungspläne und Kontrollen Methadon an seine Patienten ausgegeben haben, bestätigte Warnecke. Offenbar hätten einige Süchtige von Quathamer Methadon bekommen, aber nebenher weiter Drogen konsumiert. Quathamer habe seine Patienten zwar betreut, aber nicht kontrolliert. Die Quartalsabrechnungen hingegen seien regelmäßig erfolgt, begründet Warnecke die Anklage wegen Betrugs: "Es wurden Leistungen abgerechnet, die nicht erbracht wurden."

Wegen Verjährungsregeln beschränkt sich die Betrugsanklage auf die vergangenen fünf Quartale und einen Schaden von 30 000 Euro. Die Kassenärztliche Vereinigung dagegen will zivilrechtlich den gesamten Abrechnungsschaden von mehr als 660 000 Euro für die Jahre 1992 bis 2007 zurück. Auch im Hauptjob drohen Quathamer nun ernste Konsequenzen. Der Landkreis werde über Quathamers Suspendierung nachdenken, wenn das Hauptverfahren zugelassen werde, sagte gestern Landkreis-Sprecher Georg Krümpelmann: "Grundsätzlich gilt die Unschuldsvermutung, aber die Vorwürfe sind doch nicht unerheblich." Quathamer selbst habe sich krankgemeldet und werde wohl auch längerfristig nicht zum Dienst erscheinen.