"Barbie-Convention" in Hittfeld
Ran an die Puppen, Männer . . .
Peter NoßekHittfeld. An eines hat sich Jan Flister längst gewöhnt dass Kollegen immer noch irritiert sind, wenn sie sein Büro betreten. Der Dozent...
Peter Noßek
Hittfeld.An eines hat sich Jan Flister längst gewöhnt dass Kollegen immer noch irritiert sind, wenn sie sein Büro betreten. Der Dozent am Fachbereich Physik der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld hat ein für Männer eher ungewöhnliches Hobby, das sich auch an seinem Arbeitsplatz widerspiegelt: Er sammelt Barbie-Puppen.
Nun steht er strahlend in der Burg Seevetal. In aller Frühe war er aufgestanden, um die rund 220 Kilometer von seinem Heimatort nach Hittfeld per Bahn zurückzulegen. Sein Ziel: die "Modepuppen- und Barbie-Convention" im Hittfelder Veranstaltungszentrum. Mit dabei: ein großer Koffer. Dessen Inhalt präsentiert er jetzt in Form eines Dioramas, in dem 30 Barbie-Puppen eine zünftige 80er-Jahre-Party feiern. "Das ist mein Jahrzehnt", sagt er. Fast alles hat er selbst gemacht: Die Kleider genäht oder überarbeitet, die Frisuren kreiert und für die passende Beleuchtung gesorgt. "Das macht mir einen Riesenspaß", lässt er jeden wissen.
Er ist nicht der einzige skurrile Zeitgenosse bei der Veranstaltung, die die Fleestedterin Silke Knaak bereits seit 15 Jahren in Zusammenarbeit mit ihren Schwägerinnen Heidi Maaß und Silvia Kleinert organisiert. Übrigens die einzige ihrer Art in Norddeutschland. Von überall her kommen die rund 600 Besucher zu der Veranstaltung, die diesmal unter dem Motto "80er-Jahre" steht. Viele haben eigene Barbies mitgebracht, um beim "80er-Jahre-Styling-Wettbewerb" den Siegerpokal einzuheimsen. Manche der Gäste sind ebenfalls schrill verkleidet, den auch das "coolste Kostüm" soll prämiert werden. Selbst der Saal der Burg Seevetal erscheint ganz im Stil dieser Zeit. Viele Accessoires dazu hat Silke Knaak bei Ebay ersteigert manches hat sie auch selbst aufbewahrt.
Etwa 6000 Barbies sind im Angebot darunter viele Sondermodelle. Pierce Brosnan als Agent 007 ist mit einem Bond-Girl ebenso dabei, wie Diana Ross, Eliza Doolittle, asiatische Prinzessinnen und afrikanische Tänzerinnen. Dass das alles ziemlich "schräge" ist, weiß Silke Knaak selbst. Aber: "Barbie hat Fans durch alle gesellschaftliche Schichten hinweg", sagt die Hausfrau. "Das ist wie bei einer Miniatur-Eisenbahn: Man taucht in eine Phantasiewelt ein. Und in der spielen Individualität und Kreativität eine große Rolle."
Ende 2009 plant sie eine Barbie-Puppen-Ausstellung im Altonaer Museum. Dort will dann auch Jan Flister wieder zu Gast sein. Für ihn als Mann sei sein Hobby auch aus einem anderen Grund ein Traum. "Denken Sie doch mal nach, was besser ankommt, wenn Sie eine Frau kennen lernen", sagt der angehende Doktor der Physik freudestrahlend. "Ein Briefmarken-Album oder eine Barbie-Puppen-Sammlung . . . ?!"
