Rallye für den guten Zweck: Harburger Polizisten auf dem Weg nach Gambia
Von Dresden bis Banjul
Michelle KosselHarburg. Senegal, Marokko, Mauretanien aufgeregt blättert Andreas Denecke (41) in dem dicken Reiseführer über Westafrika. "Ich kann...
Michelle Kossel
Harburg. Senegal, Marokko, Mauretanien aufgeregt blättert Andreas Denecke (41) in dem dicken Reiseführer über Westafrika. "Ich kann es gar nicht erwarten, dass unsere Reise beginnt", sagt er. Anfang November startet er mit Sebastian Bauch (27) zur Dresden-Dakar-Banjul-Challenge, eine Rallye, die rund 100 Teilnehmer mehr als 7000 Kilometer quer durch sieben Länder führt und in Dresden startet. 18 Tage werden die Teams laut Plan unterwegs sein, bis das Ziel, die gambische Stadt Banjul, erreicht ist.
Eigentlich ist der Alltag von Denecke und Bauch schon aufregend genug die beiden Polizeibeamten arbeiten beim Harburger Kommissariat an der Lauterbachstraße doch von der Tour versprechen sie sich "Abenteuer und Spaß". Also noch mehr Nervenkitzel, als in Harburg auf Verbrecherjagd zu gehen: einmal in die Weiten Afrikas eintauchen, durch Wüsten und Geröllfelder fahren und dabei auch mit fremden Kulturen in Kontakt kommen für Denecke "ein Lebenstraum, den ich mir jetzt erfülle".
Und um den guten Zweck geht es auch. Der Sächsische Verein "Breitengrad" richtet diese Fahrten seit 2006 aus. Gestartet wird jeweils im Frühjahr und im Herbst. Die Anlehnung an die berühmte "Paris-Dakar"-Tour ist nicht zufällig, jedoch bestehen gravierende Unterschiede. So müssen die Teilnehmer nicht in erster Linie mit Rennfahrerqualitäten glänzen, sondern eher Globetrotter-mentalitäten mitbringen: "Es ist eine Low-Budget-Veranstaltung, jedermann kann also mitmachen. Die Gebühren sind moderat, die Anforderungen an die Fahrzeuge niedrig." Die Autos werden am Ziel, in Banjul, für einen wohltätigen Zweck versteigert. Das Geld wird langfristigen Hilfsprojekten, unter anderem in Schulen und Krankenhäusern, zur Verfügung gestellt. Seit 2006 sind etwa 80 000 Euro zusammengekommen. "Es geht dabei auch nicht darum, wer am schnellsten in Banjul ankommt. Der Weg und der soziale Gedanke das zählt." Auch die Motorisierung ist nebensächlich. So haben sich Denecke und Bauch einen gebrauchten Mercedes-Kombi besorgt. "Ist von Bekannten und hat schon 215 000 Kilometer runter. Die Tour schafft er aber locker", ist sich der gelernte Kfz-Mechaniker sicher. Daher lässt er sich von Horrormeldungen über auf Wüstenpisten festgefahrene Wagen, Motorschäden und geplatzte Reifen nicht abschrecken. Das Team hat vorgesorgt. So gehören unter anderem Werkzeug, Ersatzreifen und -teile sowie Benzinkanister zur Ausrüstung. Mit an Bord sind auch Zelt, Küchenzubehör, Seife, Wasser und Schlafsäcke. "Je mehr man überlegt, was noch mitgenommen werden könnte, desto mehr kommt dazu", seufzt Denecke. Deshalb haben die Abenteurer ihr Rallye-Fahrzeug schon mal zur Probe beladen. "Geht doch", so der 41-Jährige und zurrt das Gepäck auf dem Autodach fest. "Am liebsten würde ich jetzt schon losfahren." Einfach immer weiter nach Süden, wo der heiße Wind der Sahara den Sand vor sich her bläst . . .
