Generali und Gericht in der Kritik
Sarah T.: Anwalt geht in Offensive
Ob Sarah T., die seit einem schweren Verkehrsunfall vor vier Jahren auf der Brenner-Autobahn bei Roverto geistig behindert und spastisch gelähmt ist,...
Buchholz(js).Ob Sarah T., die seit einem schweren Verkehrsunfall vor vier Jahren auf der Brenner-Autobahn bei Roverto geistig behindert und spastisch gelähmt ist, die von ihrer Mutter eingeklagten 7,2 Millionen Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz jemals bekommt, ist weiter ungewiss. Deshalb geht der Anwalt des 23-jährigen Unfallopfers, der Buchholzer Fachanwalt für Versicherungsrecht, Jürgen Hennemann, in die Offensive, erhebt schwere Vorwürfe gegen das Landgericht Hamburg.
Seit Anfang Juni wird der Fall der Buchholzerin gegen die Generali-Versicherung - die Versicherung des Unfallfahrers - vor der Zweiten Zivilkammer, wie in den HAN mehrfach berichtet, verhandelt. Voran geht es nicht. Nachdem die Seite des Opfers einen Vergleich über 1,2 Millionen Euro Sofortzahlungen plus eine monatliche, lebenslange Rente, die sich an dem Pflegebedarf der Schwerstbehinderten orientieren sollte, des Landgerichts ablehnte, stocken die Verhandlungen. Die Generali wurde aufgefordert, entsprechende Zahlungsmodalitäten aufs Papier zu bringen und der Gegenseite zu übermitteln. Dies wurde im Saal im Beisein einer Schar an Journalisten vorgetragen - bis heute ist nichts geschehen. "So oder so ähnlich erleben die Geschädigten das Regulierungsverhalten der Generali seit Jahren", sagt Hennemann. Das Gericht habe sich seiner Ansicht nach zu früh auf die Seite der Generali begeben. So sei eine Annährung mit der gegnerischen Partei nahezu unmöglich geworden.
Auch die plötzliche Behauptung der Generali vier Jahre nach dem Vorfall, Sarah sei damals nicht angeschnallt gewesen, hat laut Hennemann eine besondere Note: Das Gericht beauftragte zur Generali-Behauptung einen Einzelgutachter aus Aachen. Wie sich herausstellte, arbeitet dieser nach Marktinformationen seit Jahrzehnten mit der Aachener-Münchener Beteiligungsgesellschaft zusammen. Diese Konzerngesellschaft gehört der Generali. Als die Richterin von diesen Verbandelungen erfuhr, verzichtete sie auf die Beauftragung des Gutachters.
Trotz allem geht der Buchholzer Anwalt davon aus, dass die Generali eine der höchsten Versicherungssummen in der Geschichte der Bundesrepublik an seine Mandantin wird zahlen müssen.
