Konzertchor Buchholz überzeugt in Harburg
Betörende Harmonien
Gründe für ein "Festkonzert" gibt es meist genug - beim Auftritt des Konzertchores Buchholz in der Harburger St.-Johannis-Kirche an der Bremer Straße...
Von Jan-Barra Hentschel
Harburg.Gründe für ein "Festkonzert" gibt es meist genug - beim Auftritt des Konzertchores Buchholz in der Harburger St.-Johannis-Kirche an der Bremer Straße waren es gleich drei: Im Mittelpunkt des Abends standen die beiden "Jubilare" Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy - und der Komponist der Uraufführung, James Wilding, feierte just an diesem Sonnabend seinen 36. Geburtstag.
Chorleiter Rainer Schmitz hatte in dem abwechslungsreichen Programm das zentrale Werk, das halbstündige "Lauda Sion" von Mendelssohn, geschickt in Chöre und Terzette aus Haydns Oratorium "Die Schöpfung" eingebettet. Gleich mit dem ersten Stück, "Stimmt an die Saiten", bewies der Konzertchor aus der Nordheide seine ganze Meisterschaft. Das in allen Stimmlagen gleichwertig besetzte Ensemble faszinierte mit sanftem Timbre und präziser Artikulation, klangschön begleitet vom Kammerorchester St. Trinitatis.
Im anschließenden Terzett "Der Herr ist groß" durften sich dann auch die Gesangssolisten präsentieren: Kirsten Evers überzeugte mit strahlendem Sopran, Jan Kehrberger, in diesem Jahr mit dem "Harburger Musikpreis" ausgezeichnet, mit sonorem Tenor und Peter Veit mit kraftvollem Bass.
"Homage to Mendelssohn" des gebürtigen Südafrikaners James Wilding, der inzwischen in den USA lebt, entpuppte sich als eine raffinierte Paraphrase über den Luther-Choral "Ein feste Burg ist unser Gott", den ja bekanntlich Mendelssohn in seiner "Reformations-Sinfonie" ausgiebig zitiert hat. Mit Anklängen an die "Minimal Music" und die Harmonik der Romantik verzahnt Wilding die verschiedenen Stile in einem schlüssigen musikalischen Gewebe. Im zweiten Abschnitt glänzten die Buchholzer Sopranistinnen mit einer halsbrecherischen, hochvirtuosen Partie. Der extra aus den USA angereiste Komponist nahm den Beifall dankbar entgegen.
Herzstück des Abends war das eher selten aufgeführte "Lauda Sion", das der evangelisch getaufte Mendelssohn für das katholische (!) Fronleichnams-Fest komponiert hatte. In betörenden Harmonien entwickelte sich ein Klangzauber, der wohl jeden Zuhörer mitriss. Zu den drei Solisten gesellte sich hier die souveräne Altistin Tiina Zahn. Der Chor lieferte eine mustergültige Aufführung ab - Rainer Schmitz hatte bei den Proben ganze Arbeit geleitet. Die Pointe gab er erst nach dem Stück bekannt: Die kurzfristig eingesprungene Kirsten Evers hatte das "Lauda Sion" zuvor noch nie gesungen.
- Das Konzert wurde gestern in der Buchholzer St.-Johannis-Kirche wiederholt.
