Drei Euro pro Stunde: "Seelische Kriminalität"

"Mein Konto ist schon seit Ewigkeiten in den Miesen", sagt Anja Springer, Servicekraft in einer Autobahnraststätte in Hamburg. Sieben Euro pro...

"Mein Konto ist schon seit Ewigkeiten in den Miesen", sagt Anja Springer, Servicekraft in einer Autobahnraststätte in Hamburg. Sieben Euro pro Stunde verdient sie. "Neulich musste ich mir sogar Geld von meinem Sohn leihen, der ist Azubi. Er hat es mir gegeben, obwohl ich ihm nie ein regelmäßiges Taschengeld zahlen konnte." Diese Worte sind auf einer Tafel in dem Mindestlohn-Truck der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zu lesen. Auf Einladung des Ortsverbands Harburg des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hielt der 16 Meter lange Lastwagen auf seiner Deutschlandtour gestern in Harburg auf dem Rathausplatz. Von 12 bis 16 Uhr informierten sich Passanten über das Thema "Mindestlohn".

"Dieses Thema ist in der öffentlichen Wahrnehmung hinter die Jugendkriminalität gerutscht", sagte Thomas Bredow, Vorsitzender des DGB-Ortsverbands Harburg. Aber drei Euro pro Stunde zu verdienen, sei seelische Kriminalität.

In dem Truck hingen Porträts von Menschen, die von ihrem Arbeitslohn kaum leben können. Passanten konnten per Unterschriftenlisten die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns fordern. Am Truck empfing Bredow ab 17 Uhr Gäste zum Neujahrsempfang des DGB, unter anderem Propst Jürgen F. Bollmann.