Kriminalstatistik 2007 des Landkreises Harburg: Leichte Entspannung, bessere Aufklärungsquote
Jugend + Alkohol = Gewalt
Jan-Hendrik FrankWinsen. Der Landkreis Harburg ist im vergangenen Jahr sicherer geworden, doch die Einwohner werden unter Alkoholeinfluss immer öfter...
Jan-Hendrik Frank
Winsen. Der Landkreis Harburg ist im vergangenen Jahr sicherer geworden, doch die Einwohner werden unter Alkoholeinfluss immer öfter straffällig. Während die Zahl der Delikte insgesamt um 3,29 Prozent auf 14 534 Fälle gesunken ist, stieg die Zahl derer, die unter Alkoholeinfluss Straftaten begangen haben, um 50,14 Prozent auf 1042. Das zeigt die Kriminalstatistik 2007 der Polizeiinspektion (PI) Harburg, die PI-Leiter Polizeidirektor Uwe Lehne gestern in Winsen vorstellte. Diese Entwicklung zeige sich aber nicht nur im Landkreis Harburg. "Dieselbe Tendenz haben wir auch landesweit", sagte der 47-Jährige.
Die Statistik räumt dabei mit zwei Vorurteilen auf: Nicht die Minderjährigen treiben die Zahl der Straftaten unter Alkohol in erster Linie nach oben: Die Zahl der Unter-18-Jährigen, die 2007 unter Alkoholeinfluss Straftaten begangen haben, stieg zwar um 46,15 Prozent auf 152 Fälle. Besorgniserregend sei dabei vor allem, dass auch bei Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre die Zahl der Tatverdächtigen unter Alkoholeinfluss gestiegen sei. Doch der Zuwachs bei den Minderjährigen blieb unter dem Gesamttrend. Auch sind hinsichtlich der Straftaten ingesamt nicht immer die Ausländer die Bösen: Von 6037 im Jahr 2007 aufgegriffenen Tatverdächtigen hatten 85,5 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit (5163 Bürger), darunter 251 Spätaussiedler (4,1 Prozent der Tatverdächtigen).
Insgesamt arbeitete die Polizei im Landkreis Harburg im vergangenen Jahr erfolgreicher als 2006. Sie steigerte den Anteil der aufgeklärten Fälle um 0,82 Prozentpunkte auf 51,46 Prozent. Lehne ist zufrieden: "Die gestiegene Aufklärungsquote wirkt sich auf das Sicherheitsgefühl der Bürger aus", sagte er. Inzwischen halte die PI Harburg hinsichtlich ihrer Aufklärungsquote mit den anderen der Polizeidirektion Lüneburg unterstellten Polizeiinspektionen mit.
Im Vergleich zu den anderen Polizeiinspektionen treibe jedoch die Nähe des Landkreises Harburg zu Hamburg die Kriminalitätszahlen nach oben: Auch wenn die Zahl der Diebstähle um 7,89 Prozent auf 5906 zurückgegangen sei, bilde der Landkreis innerhalb der Polizeidirektion Lüneburg immer noch den Spitzenreiter. So haben beispielsweise eine Tätergruppe aus Hamburg seit mindestens fünf Jahren hunderte von Straftaten im Kreisgebiet und vornehmlich im Bereich des Polizeikommissariats Seevetal verübt. Ins Visier der Fahnder rückten dabei vor allem chilenische und polnische Banden wir berichteten, die in großem Stil Diebstähle begingen und in betrügerischer Absicht Konten eröffneten. Dabei transportierten die Täter ihre Beute vorwiegend in der Bahn ab.
Mehr Aufwand als zuvor hatte die Polizei in der Aufklärung sexueller Straftaten zu betreiben, die um 15,38 Prozent auf 135 Fälle anstiegen. In mehr als der Hälfte der Fälle hatten die Täter kinderpornografische Bilder und Filme aus dem Internet bezogen.
