"Consortium" dem Kulturverein "Aion" beigetreten

Wie man das Rauchverbot umgeht

Claudius OssigHarburg. "Aion" heißt das (Über-)Lebenselixier für die Harburger Kulturkneipe "Consortium". Als wegen des Rauchverbots die Stammgäste...
Claudius Ossig

Harburg. " Aion" heißt das (Über-)Lebenselixier für die Harburger Kulturkneipe "Consortium". Als wegen des Rauchverbots die Stammgäste wegblieben, trat die Inhaberin und Geschäftsführerin der Traditionsgaststätte an der Neuen Straße, Ulrike (genannt Ulli) Schweer, dem gemeinnützigen Verein bei. Seit 1. Juni dürfen die Gäste der Begegnungsstätte "Consortium" nun beim Bier wieder rauchen allerdings gibt es feste Regeln.

Das seit Jahresbeginn gel-tende Rauchverbot drohte der Kneipe bereits im Februar den Todesstoß zu versetzen. "Das Stammpublikum, etwa 70 bis 80 Prozent der Kneipenbesucher, blieb zu Hause. Freitags und sonnabends, an den einst guten Tagen, brach der Umsatz zu 50 Prozent weg ", berichtet Ulli Schweer. Den Gästen sei die Gemütlichkeit abhanden gekommen: "Wenn sich Freunde trafen, war einer immer weg, weil er draußen rauchte."

Die Rettung sah Ulli Schweer in "Aion". Der gemeinnützige Verein hat sich der Förderung von Kunst, Kultur, Bildung, Erziehung sowie der Völkerverständigung, sprich dem multikulturellen Miteinander, verschieben. Ziele, die auch die Kulturkneipe mit Lesungen, Konzerten, Theateraufführungen und künstlerischer Talentförderung verfolgt. Ulli Schweer macht keinen Hehl daraus: "Wir sind dem Verein beigetreten, um das Rauchverbot zu umgehen." Nur dadurch habe das "Consortium" eine Überlebenschance. "Das alles ist eine typisch deutsche Farce. Aber der Gesetzgeber will es so", sagt die 66-Jährige.

Das an den Öffnungstagen nun immer wieder stattfindende Ritual verursacht nicht nur bei Kneipengängern Kopfschütteln. Ulli Schweer erklärt: "Wir können entscheiden, ob wir ,Consortium' sind, das dem Nichtraucherschutzgesetz unterliegt, oder ob wir Begegnungsstätte sind. Das heißt für uns: Der Betrieb öffnet um 18 Uhr und läuft dann als Kneipe mit Rauchverbot circa eine Stunde lang. Um 18.50 Uhr läutet der Tresenmann die letzte Bestellung ( last order") ein und fordert die Gäste auf, auszutrinken. Um 19 Uhr wird die Eingangstür abgeschlossen. Eine Minute später wird sie wieder aufgeschlossen.

Dann ist das "Consortium" eine Begegnungsstätte. Die Gäste, die nach 19 Uhr reinkommen, müssen allerdings "Aion"-Mitglieder sein. Eine Mitgliedskarte, die am Tresen zu kaufen ist, kostet fünf Euro. Sie ist zeitlich unbegrenzt und gilt für alle "Aion"-Begegnungsstätten. Es gibt keine Tagesausweise. "Wenn jemand reinkommt, der nicht Mitglied ist, wird er freundlich wieder rausgebeten. Bisher ist das nur etwa zehnmal passiert. Dagegen haben wir allein im ersten Monat 570 Mitglieder bekommen", so Ulli Schweer. Für den Gast sei die Karte Beleg dafür, dass er rein dürfe und dass er sich ausweisen könne, sofern mal eine Kontrolle komme. Alle zehn Mitarbeiter hätten diesem Konzept, das rechtlich abgesichert sei, zugestimmt. Bei bestimmten Veranstaltungen, an denen sich beispielsweise Kinder und Jugendliche im Raum aufhalten, bleibe das Rauchverbot auch in der Begegnungsstätte bestehen. Aber: "Wann geraucht werden darf und wann nicht, das können wir jetzt selbst bestimmen", so Ulli Schweer.

Die Geschäftsführerin weiter: "Wenn wir diesen Schritt nicht gemacht hätten, wäre das ,Consortium' heute dicht. Raucher sind Kneipengänger. Wenn sich Nichtraucher zu Kneipengängern entwickeln würden, hätte keine Kneipe ein Problem. Das ,Consortium' hat auch eine soziale Funktion als Treffpunkt und Kontaktstelle. Neulich berichtete mir ein Pfeifenraucher, dass er noch nie so viel vor dem Fernseher gesessen habe, wie seit dem Inkrafttreten des Rauchverbots."

An der Eingangstür des "Consortium" hängt ein Schild über die "Aion"-Begegnungsstätte. Die Gäste werden vom Personal natürlich auch aufgeklärt.

Nach Angaben von Claus Severin, dem Zweiten Vorsitzenden von "Aion", gibt es in ganz Hamburg etwa 50 Kultur-Begegnungsstätten des Vereins. Severin stellt allerdings klar: ",Aion' ist als kultureller Förderverein gegründet worden und nicht, um das Hamburgische Passivraucherschutzgesetz zu umgehen. Der Verein existiert seit 2001, wurde also lange vor dem Gesetz gegründet." Solche Begegnungsstätten wie das "Consortium" würden allerdings Künstlern ein gutes öffentliches Forum bieten, so Severin.

Wer mehr über den Verein erfahren möchte, kann sich über die Telefonnummer 0 40/20 00 63 02 an die "Aion"-Mitarbeiter wenden.