"Das hat der Kirche nicht gut getan"

Harburg. Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI., die Exkommunikation des britischen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson aufzuheben...
Harburg. Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI., die Exkommunikation des britischen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson aufzuheben und ihn wieder in die katholische Kirche aufzunehmen, sorgt für Empörung und hat weltweit heftige Debatten ausgelöst. Der Brite leugnet die Existenz von Gaskammern und Vernichtungslagern der Nazis. Der Vorwurf: Benedikt XVI. hätte frühere Äußerungen Williamsons kennen müssen. Erste Bischöfe gehen nun auf Distanz zum Papst, der Zentralrat der Juden in Deutschland spricht von einer unverzeihlichen Fehlentscheidung, und Israel droht mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan.

Auch Kirchenvertreter aus Harburg Stadt und Land reagierten mit Bestürzung auf die Entscheidung des Papstes. "Das hat der Kirche insgesamt nicht gut getan. Es müsste vom Vatikan eine Entschuldigung kommen, denn man kann Fehler machen, muss dann aber dazu stehen", sagt Peter Wohs, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Maria/St. Joseph in Harburg. Und: "Eigentlich ging es Papst Benedikt um eine gute Sache, allerdings ist bei der Umsetzung ein großer Fehler gemacht und schlampig recherchiert worden", so Wohs. Auch Stanislaus Wischnewski, Kirchenvorstand des Pfarramtes St. Alfried/St. Ansgar in Seevetal ist der Meinung, dass der Papst von seinen Mitarbeitern falsch beraten wurde. Er fügt aber hinzu: "Er muss das jetzt wieder in Ordnung bringen", sagt der Pfarrer, denn: "Die Ökumene ist ihm wichtig und liegt ihm am Herzen." Wischnewski hält es zudem für wichtig, dass man Ruhe bewahren sollte. "Der Papst wird wieder auf den richtigen Weg findet", so Wischnewski.

"Ein Holocaust-Leugner hat in dem, was wir Christen glauben und leben, keinen Platz", bringt es Dirk Jäger, Superintendent des Kirchenkreises Hittfeld auf den Punkt. Und: "Die Erklärungsversuche des Vatikans halte ich für unverständlich, denn mit falscher Recherche kann das nicht begründet werden. Der Vorfall ist eine Belastung für die Ökumene." Er fordert deshalb: "Die Entscheidung muss rückgängig gemacht werden."

"Ich bin geschockt und zutiefst erschüttert", sagt Ivar Buterfas, Holocaust-Überlebender und Weltfriedenspreisträger aus Bendestorf: "Der Papst muss sich schnellstens von der Williamson-Gesinnung abkehren, sonst bleibt er nicht mehr lange im Amt." Buterfas, der sich als ehemaliger Verfolgter besonders betroffen fühlt, betont: "Wer den Holocaust leugnet, macht sich strafbar."