Einheitliche Ausbildung und leistungsgerechte Vergütung gefordert

Eigene "Gewerkschaft" für Tagesmütter und -väter

In Deutschland gibt es eine neue Berufsvereinigung. Die Initiative ging von Buchholz aus."Wenn das Gesetz zur Kindertagespflege nicht nachgebessert...

In Deutschland gibt es eine neue Berufsvereinigung. Die Initiative ging von Buchholz aus.

Von Edith Lund

Buchholz. "Wenn das Gesetz zur Kindertagespflege nicht nachgebessert und uns keine leistungsgerechte Bezahlung gewährt wird, werden wir mit zwei- bis dreitausend Betroffenen auf die Straße gehen": Die Buchholzerin Heidemarie Stocker, Vorsitzende der neu gegründeten bundesweiten Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen, gibt sich kämpferisch. Notfalls wollen ihre Mitstreiter und sie mit Demonstrationen zu erreichen versuchen, was mit Verhandlungen bislang nicht gelang: eine gerechte steuerliche Behandlung der Frauen und Männer, die als Tagesmütter und -väter fremde Kinder betreuen. "Monatelang haben wir uns um eine einvernehmliche Lösung bemüht. Aber vergebens. Unsere Argumente wurden von der Politik nicht ernst genommen", bedauerte Heidemarie Stocker im Gespräch mit den HAN.

Die Buchholzerin, Mutter von zwei erwachsenen Söhnen, betätigt sich seit 25 Jahren als Tagesmutter. Vor mehr als zwei Jahrzehnten organisierte sie den Zusammenschluss der Tagesmütter im Landkreis Harburg und hob später auch den niedersächsischen Landesverband aus der Taufe. Beide Vereinigungen hat sie jahrelang geleitet. Jetzt folgte die Gründung der bundesweiten Berufsvereinigung als eine Art gewerkschaftliche Interessenvertretung der Kindertagespflegepersonen.

Hintergrund für diesen Schritt ist die seit 1. Januar geltende Neuregelung für die Besteuerung der Einkünfte aus der Kindertagespflege. Tagesmütter und -väter gelten jetzt als freiberuflich Selbstständige, die ihre Einnahmen versteuern und sich selbst sozialversichern müssen. Diese Sozialversicherungspflicht wirke sich finanziell negativ auf die Kindertagespflegepersonen aus, hieß es. "Es herrscht totale Verunsicherung. Viele von uns sehen sich nicht mehr in der Lage, ihre Tätigkeit weiter auszuüben, weil sich die Kinderbetreuung nun nicht mehr rechnet", so Stocker.

Die neue Berufsvereinigung stehe der Entwicklung kritisch gegenüber und sehe die für junge Familien so wichtige Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefährdet. Stocker: "Gerade die Tagesmütter und -väter mit ihren flexiblen Zeiten und ihrem individuellen Betreuungsangebot sind hier gefragt." Deshalb sollte die Kindertagespflege auch zu einem anerkannten Beruf werden: "Wir wollen eine einheitliche Ausbildung und eine leistungsgerechte Vergütung." In einem ersten Schritt fordere die Berufsvereinigung deshalb schon zum jetzigen Zeitpunkt eine Anhebung der Bezahlung, und zwar auf eine Mindestvergütung von 5,50 Euro pro Stunde und Kind - "zuzüglich der hälftigen Sozialversicherungsbeiträge von der öffentlichen Jugendhilfe". Derzeit liegt der Stundensatz nach Angaben von Heidemarie Stocker bei 3,50 Euro.

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Wir haben uns lange vergeblich bemüht. Unsere Argumente wurdenvon der Politik nicht ernst genommen.«