"Keine Knete - trotzdem Fete": Musikfestival im Harburger Stadtpark
Gelebte Utopie im Regen
Ein Hauch von Woodstock ist am Wochenende durch den Harburger Stadtpark geweht. Dort stieg das kleine Musikfestival unter dem Motto "Keine Knete -...
Von Hinrich Blume
Wilstorf. Ein Hauch von Woodstock ist am Wochenende durch den Harburger Stadtpark geweht. Dort stieg das kleine Musikfestival unter dem Motto "Keine Knete - trotzdem Fete", das von knapp einem Dutzend junger Leute auf die Beine gestellt wurde.
Auf dem durch den Regen völlig durchgeweichten, matschigen Rasen saßen und standen die Zuschauer - Jugendliche und junge Erwachsene. Männer mit langen Haaren, Mädchen völlig in schwarz gekleidet, Afrikaner mit Rastalocken. So durchwachsen waren denn auch die Musikrichtungen, Metal, Hip-Hop, Reggae - es war fast alles dabei. Gespielt von Nachwuchsbands, meist jungen Künstlern aus der Region.
Einige Besucher hatten es sich auch in kleinen Überdachzelten gemütlich gemacht, wo es stickig, aber zumindest trocken war. Etwas aus der Ferne bestaunten einige Zuschauer mittleren Alters das Geschehen. Aus den großen Boxen dröhnte die Musik bis weit in den idyllischen Stadtpark.
Mittendrin unter den Besuchern sitzen Julia Werlich (15) aus Heimfeld und ihre Freundinnen, die von Bekannten von dem Festival gehört hatten. Gerade spielt die Metalband "The Pushups". Die Musik ist so ganz nach Julias Geschmack, sie liebt Metal und Punkrock-Musik. Seit etwa einer Stunde ist sie schon da, ihr gefällt's. Nur der Regen sei halt nicht so das Wahre.
Begeistert ist auch Sebastian Janson. "Ich find's eine klasse Idee. Der Park wird ja auch selten genutzt." Er hatte im Vorjahr sogar mitgeholfen aufzubauen, dieses Jahr fehlte jedoch die Zeit. Der Marmstorfer wartet zurzeit noch auf seine Arbeitskollegen, die später kommen wollen. "Gegen Abend geht's erst richtig los." Ihn reizt vor allem die Stimmung, die Musik sei eher nebensächlich, sagt Janson.
Das Festival ist privat von einem losen Netzwerk organisiert worden. Maßgeblich daran beteiligt sind Gerrit "Keldy" Mencke (35) aus Jesteburg und Julius Detlefsen aus dem Phoenix-Viertel. "Wir haben als Jugendliche mal davon geträumt, so was zu machen", sagt Mencke. 2004 wurde daraus Realität, das Festival wurde zur festen Einrichtung. Es findet seit 2006 jährlich statt.
Und manche Dinge wiederholen sich irgendwie, zumindest was den Regen angeht. "Letztes Jahr sind wir fast abgesoffen, hatten sogar Stromausfall", erinnert sich Detlefsen. Deswegen wurde jetzt Fußboden in den Zelten ausgerollt.
Die rund zweimonatige Vorbereitung hat sich jedenfalls gelohnt. Am Freitag, als es trocken war, seien an die 600 Leute da gewesen. Aber nicht nur die hatten ihr Freude. Die Motivation der Veranstalter fasst Mencke so zusammen: "Das ist gelebte Utopie, selbst was in die Hand nehmen, für zwei Tage Freiraum schaffen, sich kreativ verwirklichen."
