Ein Harburger in Japan

Sven Ingmar Thies hat ein faszinierendes Buch über Menschen und Räume geschaffen.Wie kommt ein Harburger nach Japan und wie erzielt er im Jahre 2008...

Sven Ingmar Thies hat ein faszinierendes Buch über Menschen und Räume geschaffen.

Von Margrit Rohmann

Harburg. Wie kommt ein Harburger nach Japan und wie erzielt er im Jahre 2008 mit seiner daraus resultierenden Arbeit eine der höchsten internationalen Auszeichnungen im grafischen Gewerbe?

Sven Ingmar Thies (40) hatte die Idee zu seinem Fotobuch "Japanese Rooms", das im Zeitraum von neun Jahren fertiggestellt wurde, in Japan. Er war für zwei Jahre über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen eines Stipendiums in Tokio. Für Thies war Japan kein Neuland, da er bereits in Yokohama und Tokio sein Diplom-Projekt "What is Love" (1998) verwirklicht hatte.

Nur mit zwei Koffern und seiner Fotoausrüstung trat er den zweijährigen Aufenthalt an. Er wohnte bei einer japanischen Familie und lernte deren Alltag kennen. Hier begann sein Fotobuch-Projekt, Personen in ihrem täglichen Umfeld abzulichten.

Er fotografierte Menschen aller Altersgruppen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen: Künstler, Köche, Studenten, Kaufleute oder auch Architekten.

Mit großem Einfühlungsvermögen hielt er sie in ihren Alltagssituationen fest. Es entstanden höchst sensible Schwarz-Weiß-Fotografien. Die Spannung in den Bildern wird dadurch erhöht, dass er die Menschen in Bewegungsunschärfe aufzeichnet, wodurch die statische Ausstrahlung der Räume eine andere Dimension erhält.

Hier stellte sich ihm die Frage: Wie leben Japaner im Ausland in anderen Kulturen? Was nehmen sie mit? Packen sie ihren Kimono ein, beharren sie auf ihren Traditionen und wie läuft der Alltag von Japanern im Ausland ab? Dieser Frage ging er im Laufe der Jahre in Städten nach, die die Japaner sehr faszinieren, wie Berlin, New York, Shanghai und Wien. So entstanden im Laufe der neun Jahre sehr intime Bilder in 82 Haushalten mit höchster Aussagekraft und je Stadt drei ausführliche Interviews.

Das Buch erhielt bereits den "iF (International Design Hannover) gold selecetion 2008". Für die gleiche Arbeit wurde ihm auch der "iF communication design award 2008" verliehen. Sein Fotoband "Japanese Rooms" wurde überall begeistert aufgenommen. Er ist zudem für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2010 nominiert worden.

Sven Ingmar Thies ist ein waschechter Harburger. Er besuchte das Heisenberg-Gymnasium, machte dort sein Abitur und studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig Grafik-Design. Er ist aber nicht nur ein Grafik-Designer, der sich auf Corporate Design und Print- und Online-Medien spezialisiert hat, sondern auch ein Künstler. Er entwickelt spannende Fotoprojekte und Installationen.

Sein Diplom-Projekt "What is love" beschäftigt ihn noch immer. Er hat bereits in Japan damit begonnen, Menschen zu dem Wort "Liebe" zu befragen. Gibt es den Begriff in jeder Kultur, was bedeutet er? Die Antworten in einem Satz hat er fotografisch umgesetzt. Er nennt diese "visuelle Reaktion" auf die Antwort.

Heute lebt und arbeitet Thies überwiegend in Wien. Dort hatte er auch von April bis September 2009 eine Ausstellung im Museum für Völkerkunde. Er ist verheiratet mit Verena (32). Sie stammt aus Krems in Österreich und im Dezember erwarten sie ihr erstes Baby.

Als Thies damals nach Japan kam, widmete er ein Jahr dem Erlernen der Sprache, anschließend arbeitete er ein Jahr als Junior Grafik-Designer im renommierten Büro "Kitayama Company". Sein Firmenchef Takao Kitayama schrieb nicht nur die Einführung für das Buch "Japanese Rooms", sondern ist sogar Mitautor.

- Sven Ingmar Thies und Takao Kitayama: Japanese Rooms, 192 Seiten, ISBN: 3937623906, 39 Euro.

Weitere Informationen unter www.kaitenart.com