Mehr und extremer: Fallzahlen beim Jugendamt um 20 Prozent gestiegen

Wer hilft jetzt Harburgs armen Kindern?

Außerdem ist die Bewerberlage schlecht, denn immer weniger Sozialpädagogen wollen zum ASD.In der Statistik tauchen sie als "Fallzahlen" auf: In der...

Außerdem ist die Bewerberlage schlecht, denn immer weniger Sozialpädagogen wollen zum ASD.

Von Florian Kleist

Harburg. In der Statistik tauchen sie als "Fallzahlen" auf: In der Realität sind es vernachlässigte oder missbrauchte Kinder sowie Eltern mit Alkohol- und anderen Drogenproblemen - und teilweise eigenen Missbrauchserfahrungen. Bitter für Hamburgs Süden: Die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) des Harburger Jugendamts müssen mit einem überproportional großen Anstieg umgehen: Während für ganz Hamburg in der Zeit von Juli 2008 bis Juli 2009 die Fallzahl um 12,7 Prozent gestiegen ist, stieg sie für die ASD-Mitarbeiter Harburgs um fast 20 Prozent an.

Während im Juli des Vorjahres der ASD Harburg bei 844 Kindern aktiv werden musste, waren es zwölf Monate später bereits 1008. Diese Zahlen wurden am Mittwochabend im Harburger Jugendhilfeauschuss präsentiert. In dieser Statistik tauchen alle Hilfen zur Erziehung (HzE) - von einem wöchentlichen einstündigen Gespräch bis zur Unterbringung der Kinder in einem Heim - sowie die Fluchtder Mutter in ein Mutter-Kind-Heim auf. "Nicht erfasst werden Gespräche, nach denen das Jugendamt nicht aktiv werden muss sowie Fälle, die vom Gericht weitergeleitet werden", so Petra Schulz, Sprecherin des Harburger Bezirksamts. Konkrete Zahlen hierfür gibt es nicht.

Der ASD Harburg war zwar, wie berichtet, Anfang des Jahres um acht Stellen aufgestockt worden: "Bis neue Mitarbeiter in unserem Job voll eingearbeitet sind, dauert es in der Regel aber ein Jahr", so Gottfried Schoppe vom ASD-Harburg-Kernstadt in der Ausschusssitzung: "Es gibt im Moment noch sehr viel Unruhe." Außerdem sei es schwer, geeignete Sozialpädagogen zu finden, die für die schwere Arbeit beim ASD bereit sind. Sowohl in Harburg-Kernstadt als auch im ASD-Bereich Süderelbe seien derzeit 1,5 Stellen ausgeschrieben. Insgesamt gebe es dafür nur sechs Kandidaten. "Die Bewerbungslage ist nicht gut", fasste Marlene Dettmann vom ASD Harburg die Situation zusammen. "Man muss dafür Sorgen, dass die Gehälter steigen", so ein Ausschussmitglied. Martin Scheer, ASD-Leiter für Süderelbe, brachte das passende Beispiel: "Eine junge Frau ohne Kinder verdient bei uns im ersten Berufsjahr 1300 Euro Netto bei einer vollen Stelle. Das ist vielen nach einem Hochschulstudium zu wenig."

Zumal, so Scheer weiter, vor allem im Süderelbebereich sich nicht nur die Quantität der Fälle erhöhe, sonder auch die Härte: "Wir haben eine Zunahme von Familien, die sozial abgesackt sind, eine Zunahme von psychisch kranken Eltern", außerdem eine "Zunahme von Gewalt in Familien, die meist mit Alkohol, Tabletten und illegalen Drogen zusammenhängt" und einen Anstieg von Familien, in denen mehrere Faktoren zusammenkommen. "Wir haben Fälle, mit denen wir mehrere Tage in Folge voll beschäftigt sind", so Scheer.

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Die Bewerbungslage ist nicht gut.«