Filmemacherin Gaby Harms stellt Dokumentation über "Gospeltrain" vor
Mehr als nur ein Chor
Ein Satz - und alle Sympathien waren auf seiner Seite. "Ich hab' ein völlig gestörtes Verhältnis zu Lehrern", gestand Arne Weber. Vor allem einen...
Von Peter Noßek
Harburg. Ein Satz - und alle Sympathien waren auf seiner Seite. "Ich hab' ein völlig gestörtes Verhältnis zu Lehrern", gestand Arne Weber. Vor allem einen habe er gehasst. "Das war der Musiklehrer. Er hat mich immer gezwungen, allein vor der Klasse vorzusingen. Dabei hat er meine Interpretation von ,Oh, Du junger Wandersmann' überhaupt nicht verstanden und mir eine Sechs gegeben. Und wegen dieser Sechs musste ich damals das Gymnasium wechseln."
Der Harburger Bau-Unternehmer hatte das "HC Hagemann Event Forum" Peter Schuldt und seinem Chor "Gospeltrain" von der Gesamtschule Harburg (GSH) zur Verfügung gestellt. Es galt, die Film-Premiere von "I Hear Your Voice . . . mehr als nur ein Chor" zu feiern. Die gebürtige Harburgerin Gaby Harms hatte den Chor ein Jahr lang auf Konzerten - vor und hinter der Bühne, Proben und Elternabenden - begleitet. Aus dem mehr als40-stündigen Material hat sie eine etwa 45-minütige, musikalische Dokumentation zusammengeschnitten. Er zeigt das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Integrationsfähigkeit des Chors. Die Mixtur mit mehr als 20 im Chor vertretenen Nationen geben ihm eine Vielzahl an Impulsen, besondere Stimmen und Stimmungen. Gleich der Beginn des Films liefert einen spektakulären Einblick: Die aus mehr als 100 Sängern bestehende Formation bekommt von einem Pizzaservice ebenso viele Pizzen geliefert - und jeder sucht nach der von ihm bestellten. "Wenn Menschen, die etwas lieben, aufeinandertreffen und die Chemie stimmt, kann etwas Großes entstehen", sagte Gaby Harms.
Die Dokumentation ist für den europäischen Filmpreis, der beim "Filmfestival Köln" im Dezember vergeben wird, nominiert. "Eine sehr bewegende Produktion", befand auch Melanie-Gitte Lansmann, Geschäftsführerin des Vereins Channel Harburg, die unter den Zuschauern weilte.
"Ich bin stolz, dass ich Sie unterstützen kann", sagte Weber zu Chorleiter Peter Schuldt. Als Hauptsponsor hatte er den größten Teil der Produktionskosten übernommen. Und weiter: "Sie, Herr Schuldt, sind das beste Beispiel für den Satz: Nur wer selbst brennt, kann andere entzünden. Diese Kinder kommen nicht auf dumme Gedanken. Und bei Ihnen würde sogar ich das Singen lernen . . ."
