Bauern zunehmend auf den Barrikaden - Landvolkverband verhandelt
Land für Erdgasleitung: E.on will es billig
Bisher werden 70 Cent pro verbautem Quadratmeter geboten - ohne "Eilzuschlag".Das bisher größte Bauvorhaben in der Geschichte des Landkreises Harburg...
Bisher werden 70 Cent pro verbautem Quadratmeter geboten - ohne "Eilzuschlag".
Von Carsten Weede
Buchholz. Das bisher größte Bauvorhaben in der Geschichte des Landkreises Harburg sorgt auch für große Aufregung: Der geplante Bau der Norddeutschen Erdgasleitung (NEL), die mit einem Rohrdurchmesser von 1,40 Meter auf einer Länge von 80 Kilometern von Tespe bis Heidenau quer durch den Landkreis Harburg verlaufen soll, stößt bei vielen Landwirten auf massive Ablehnung.
"Viele Landwirte sorgen sich um ihre Betriebsentwicklung. Sie befürchten, dass neue Bauprojekte im Bereich der Trasse in Zukunft ebenso ausgeschlossen sind wie betriebliche Erweiterungen", sagt Ernst Stinshoff von der Landwirtschaftlichen Unternehmensberatung Harburg (LUH) in Buchholz. Wo die Trasse verläuft, wäre beispielsweise der Bau von Biogas- und Windkraftanlagen oder Ställen unmöglich. Auch beim Tiefpflügen oder in Spargelanlagen drohten Beeinträchtigungen durch dieErdgasleitung. "Die Landwirte verlangen zu Recht, dass sie für dauerhafte Nutzungsbeschränkungen im Bereich der Trasse ebenso angemessen entschädigt werden wie für Bodenschäden, die beim Bau entstehen", sagt Agrar-Ingenieur Stinshoff.
Über eine solche "angemessene" Entschädigung verhandelt der Landvolkverband im Auftrag der bäuerlichen Grundeigentümer mit dem Energieversorger E.on Ruhrgas. E.on will die neue Erdgasleitung quer durch den Norden verlegen - von Stralsund bis ins Ruhrgebiet. In Niedersachsen verläuft die Trasse auf einer Länge von 193,5 Kilometer durch die Landkreise Harburg, Lüneburg, Rotenburg, Verden und Diepholz. Betroffenen sind Hunderte von Landwirten, deren Grund und Boden für den Leitungsbau benötigt wird.
"Viele Grundeigentümer lehnen den Bau der Leitung ab", sagt der Stellvertretende Geschäftsführer des Landvolkverbandes in Buchholz, Werner Maß. "Wir vertreten die Interessen der Grundeigentümer und nicht die des Gaskonzerns", reagiert Maß auf öffentliche Beschwerden des Energieversorgers über mangelnde Kooperationsbereitschaft des Landvolkverbandes.
Eine Gasleitung derartigen Ausmaßes werde bleibende Schäden am Grundstück verursachen, die die Bewirtschaftung, die Ertragsfähigkeit und den Wert des Grundstückes dauerhaft erheblich beeinträchtigen. "Wir brauchen eine sichere vertragliche Regelung für Folgeschäden", betont Maß.
E.on biete bisher einen Euro pro Quadratmeter an - darin enthalten sei bereits ein "Eilzuschlag" von 30 Cent, den Bauern erhalten, die die Verträge kurzfristig unterschreiben. Bei einer Arbeitsbreite von zehn Metern kann ein Bauer rein rechnerisch von 1000 Euro Entschädigung ausgehen, wenn die Gasleitung auf einer Länge von 100 Metern über seinen Boden verläuft.
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