Zehn Jahre "Gospeltrain" - Die Friedrich-Ebert-Halle tobt

Und das soll nur ein Schulchor sein?

"Mehr als ein Chor!" Wie ein Motto geistert dieser Satz durch das Geburtstagskonzert des Chores "Gospeltrain". In der Tat ist das nicht nur ein Chor....

Von Ernst Brennecke

Heimfeld. "Mehr als ein Chor!" Wie ein Motto geistert dieser Satz durch das Geburtstagskonzert des Chores "Gospeltrain". In der Tat ist das nicht nur ein Chor. Denn wie die Zuhörer am Freitagabend in der ausverkauften Friedrich-Ebert-Halle mühelos feststellten, ist das eine Ansammlung von Gospel-Verrückten, von denen viele auch fantastische Solostimmen haben.

Peter Schuldt, der den Chor vor zehn Jahren an der Gesamtschule Harburg gegründet hatte und der ihn seitdem leitet, war die Freude nicht nur ins Gesicht geschrieben: Er tanzte wie ein Derwisch über die Bühne, hüpfte wie ein Teenager vor seinen Sängerinnen und Sängern auf und ab und hätte das Konzert am liebsten bis zum frühen Morgen fortgesetzt.

"Gospeltrain" ist sein Werk. Dafür hat er bereits den Musikpreis Harburg erhalten, das Jubiläumskonzert bestätigte wieder einmal die hohe Qualität seiner Arbeit.

Kurioserweise präsentierte Schuldt seinen Chor in unterschiedlichen Formationen. So stand zunächst die derzeitige Konstellation auf der Bühne, dann kam der Nachwuchs dazu. Nach der Pause stellten sich die ehemaligen Mitglieder aus der Gründerzeit vor, schließlich sangen alle zusammen.

Machen wir uns nichts vor: "Gospeltrain" ist ein Schulchor. Das heißt: Regelmäßig verlassen die besten Sänger den Chor, die Arbeit beginnt immer wieder von vorn. Dass es bisher keine Qualitätsunterschiede gab, ist ein weiteres Verdienst von Schuldt.

Zu jedem Geburtstag kommen Gratulanten. Im Zuschauerraum saßen unter anderem Bürgermeisterin und Schulsenatorin Christa Goetsch, Musikhochschul-Ehrenpräsident Herman Rauhe sowie der Bauunternehmer und Investor Arne Weber.

Auf der Bühne gratulierte der türkische Sänger Volkan Baydar mit einem Solo und einigen gemeinsamen Liedern mit dem Chor. Mehrere "Gospeltrain"-Solistinnen standen da völlig ebenbürtig neben dem Star. Das intensiv gesungene Duett "Road Jack" wurde dabei durch die eindringliche Leistung von Whitney Akowuah zu einem Duell.

Auf der Bühne gratulierten auch vier charmante Damen, die unter dem Namen "Salut Salon" bundesweit berühmt geworden sind. Nun standen zwar das "James-Bond-Medley" und die artistischen Künste von Iris Siegfried und Angelika Bachmann in keinem Zusammenhang mit dem eigentlichen Konzert, selbstverständlich hat die Einlage allen viel Spaß bereitet.

Die Arbeit im Chor verlangt vor allem den Solisten viel ab. Standen sie eben noch vorn am Bühnenrand und verzauberten das Publikum mit ihren Stimmakrobatiken, so müssen sie sich einen Augenblick später wieder in den Chor einreihen und spielen keine Sonderrolle mehr. Bei dieser Art des Gesangs ist fast Nebensache, was gesungen wird. Denn immer triumphiert der homogene, wohlabgewogene, frische Klang dieses Chores. Eigentlich kann man von ihm gar nicht genug bekommen, so gut singt er. Deshalb war es auch unerheblich, dass das Konzert mit mehr als drei Stunden eigentlich etwas zu lang war.

- Die nächsten Termine: Weihnachtskonzerte am Freitag und Sonnabend, 11. und 12. Dezember, in der Friedrich-Ebert-Halle sowie ein Konzert am 26. Februar im CCH.