Aufgetischt

Ein sehr beliebtes Kochbuch

Das Kochbuch erschien in den mageren Nachkriegsjahren und wurde auf Anhieb populär: "Wir kochen praktisch" von der Autorin Maria Schmitz.

Das Kochbuch erschien in den mageren Nachkriegsjahren und wurde auf Anhieb populär: "Wir kochen praktisch" der Autorin Maria Schmitz. Seinen Siegeszug durch die Schulen trat es in den 50er- und 60er-Jahren an. Ständig musste die Verlagsgesellschaft Rudolf Müller in Köln-Braunsfeld das Standardwerk neu auflegen, das den Schülerinnen und wenigen Schülern, die damals Kochunterricht bekamen, als "neuzeitliches Tabellen-Kochbuch" (so der Untertitel) wegen seiner Übersichtlichkeit und guten Verständlichkeit schnell ans Herz wuchs.

Am Anfang des Buches stand ein Satz, der auch desinteressierten, in Sachen Kochen völlig unbegabten Mädchen und Jungen Mut machte: "Kochen ist kein Problem, sondern eine Organisationsfrage" und: "Man muss nicht Rezepte auswendig lernen. Es gibt grundlegende {sbquo}Gesetze', aus denen man die Herstellungsweise ableiten kann. Man muss nur einmal diesen Weg durchdenken." Und dann zählte Maria Schmitz diese "Gesetze" systematisch und übersichtlich auf: Kochen = Garmachen in Wasser; Dämpfen = Garmachen in Wasserdampf; Braten = Garmachen in Fett; Schmoren = Anbraten in Fett (ohne Deckel), Garmachen durch Zugabe von Wasser (mit Deckel) - und so ging es weiter.

Mengenangaben wurden ebenso erläutert wie praktische Winke gegeben, Ein Beispiel wurde besonders oft in die Tat umgesetzt: der Tipp für angebrannte Speisen: Nie rühren, sondern den Topf mit dem Angebrannten offen in kaltes Wasser stellen. Nach dem Erkalten vorsichtig ausschöpfen in einen in einen sauberen Topf, nicht gießen. Falls die Speisen trotzdem angebrannt schmecken, eine rohe Kartoffel daranreiben oder den Geschmack durch Gewürz überdecken. Bei süßen Speisen Milch zugeben.

Auch wer zu tief in den Salztopf gegriffen hatte, wurde fündig: Bei versalzenen Speisen riet Maria Schmitz: Zwiebel oder rohe Kartoffel daranreiben, bei süßen Speisen Brotkanten mitkochen oder Milch zufügen.

Infobox

Zutaten und Zubereitung

In unserer heutigen Rezeptfolge präsentieren wir das Rezept für einen beliebten Auflauf der damaligen Zeit, für den Schinkenauflauf. ZUTATEN (für vier Personen): 1 kg Pellkartoffeln (oder 200 g Nudeln) 125 g Schinkenspeck (bei Nudeln eignet sich auch Schinken), geriebene Semmel oder Käse, Butter, 1/2 l helle Grundtunke von Brühe oder Milch. ZUBEREITUNG: Für die Tunke 1 ½ Esslöffel Fett (30 g) und zwei Esslöffel Mehl (40 g) anschwitzen, Wasser oder Brühe zugeben, bis eine sämige Soße entsteht. Die Nudeln oder die gekochten, in Würfel oder Scheiben geschnittenen Kartoffeln mit dem Schinkenspeck gemischt in eine Auflaufform füllen, die Tunke kräftig abschmecken, über den Auflauf geben und zum Abschluss geriebene Semmel oder/und geriebenen Käse drüberstreuen. Butterflöcken draufsetzen und ab damit in den vorgeheizten Ofen (225 Grad, untere Schiene). Nach 35 Minuten den Ofen ausschalten und den Auflauf noch rund zehn Minuten ruhen lassen. Fertig! Dazu passt ein Tomaten- oder grüner Salat. Guten Appetit!