Hans-Jürgen Quathamers Tod wirft Fragen auf

Mühlen der Justiz fordern ein Opfer

Hat ihn am Ende das lange, vergebliche Warten auf einen Prozess zermürbt, in dem er sich endlich gegen die schweren Vorwürfe gegen ihn hätte...

Von Claudia Michaelis

Winsen. Hat ihn am Ende das lange, vergebliche Warten auf einen Prozess zermürbt, in dem er sich endlich gegen die schweren Vorwürfe gegen ihn hätte verteidigen können? Hat ihm die Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung, die am Ende mehr als 660 000 Euro von ihm zurückhaben wollte, jede Zukunftsperspektive geraubt? Der Tod des Winsener Substitutionsarztes Hans-Jürgen Quathamer wirft Fragen auf, die wohl unbeantwortet bleiben. Wie gestern gemeldet, ist der 61-jährige frühere Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes beim Landkreis am Dienstagabend tot in seiner Winsener Wohnung aufgefunden worden. Sicher scheint nur so viel: Am Ende konnte der Psychiater selbst dem immensen Druck nicht mehr standhalten in den langsam mahlenden Mühlen der Justiz, die im Juli 2007 Ermittlungen eingeleitet und im April 2008 Anklage gegen ihn erhoben hatte, aber bis heute kein Hauptverfahren eröffnet hat.

Beim Landkreis hat die Nachricht von Quathamers Tod Betroffenheit ausgelöst. Der gebürtige Westersteder hatte 1990 beim Landkreis die Leitung des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Winsener Kreishaus übernommen. Nachdem ihn 2008 die Staatsanwaltschaft Lüneburg angeklagt hatte, bei seiner Nebentätigkeit als Substitutionsarzt an seine Drogenpatienten Methadon ohne die erforderliche strenge Begleitkontrolle abgegeben zu haben und ihn des Abrechnungsbetrugs bezichtigt hatte, hatte ihn der Landkreis vom Dienst suspendiert. Quathamer unternahm da bereits einen Selbstmordversuch, der jedoch misslang.

Auch Landrat Joachim Bordt reagiert betroffen auf die Nachricht: "Als Leiter unseres Sozialpsychiatrischen Dienstes hat er hervorragende Arbeit geleistet und sich mit großer medizinischer Kompetenz , aber auch mit hohem persönlichen Engagement für die psychisch kranken Menschen eingebracht und sich auch sehr erfolgreich für verbesserte Standards in der sozialpsychiatrischen Versorgung eingesetzt." Umso mehr seien alle, die Quathamer und sein großes mitmenschliches Wirken als Arzt kannten und seine persönliche Integrität schätzten, von den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft überrascht gewesen, sagt Bordt: "Für den Landkreis galt immer die Unschuldsvermutung - nun wird eine Aufklärung des tatsächlichen Sachverhalts nicht mehr erfolgen". Quathamer hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Für uns galt immer die Unschuldsvermutung. «