Stefan Rather sammelt Postkarten aus Hamburgs Süden - auch im Internet

1000 Harburger Ansichten

Es sind nicht so sehr die historischen Postkarten des Harburger Rathauses oder der Elbbrücken, die ihn faszinieren: "Diese Bauwerke sehen ja heute...

Von Florian Kleist

Marmstorf. Es sind nicht so sehr die historischen Postkarten des Harburger Rathauses oder der Elbbrücken, die ihn faszinieren: "Diese Bauwerke sehen ja heute noch so aus wie vor 100 Jahren." Wenn Stefan Rather seine fast 1000 Harburg-Postkarten durchstöbert, bleibt er immer wieder bei auf den ersten Blick unspektakulären Motiven hängen: Straßenszenen, normale Wohnhäuser, auf deren Gelände zwei Weltkriege später Einkaufszentren mit Glasfassaden stehen oder einfach die Auslagen eines Kolonialwarenladens kurz vor dem Ersten Weltkrieg. "All das ist unwiederbringlich verschwunden", so der 37-jährige Marmstorfer.

Vor fast zehn Jahren wurde für Rather aus einem kleinen Stapel Postkarten eine echte Sammelleidenschaft. Er kennt dabei nur zwei Kriterien: "Es müssen Harburg-Postkarten sein und von vor 1945." Er selbst bezeichnet sich weder als "spleenigen Sammler noch als Ewiggestrigen. Ich bin nicht so der Typ, der auf Sammlerbörsen in staubigen Kartons blättert." Entsprechend nutzte er bereits vor sieben bis acht Jahren das damals noch neue Medium Internet: "Viele der Postkarten haben ich bei E-Bay oder anderen Internet-Auktionsplattformen erstanden.Größtenteils zu sensationell günstigen Preisen, da noch nicht viele Sammler damals dieses Medium nutzten." Manch seltene Karte aus dem 19. Jahrhundert habe er für nur einen Euro ergattert. Entsprechend schnell füllten sich seine Ordner und Sammelkisten.

Um Ordnung in seinen Schatz zu bringen, nutze er wiederum moderne Technik und die Möglichkeiten des Internet: "Irgendwann begann ich die Karten einzuscannen und auf einer Homepage zu sortieren - zunächst einmal nur für mich, um die Übersicht behalten." Hier eröffneten sich Chancen, die weit über die eines Steckordners hinausgehen. Wenn zum Beispiel das Schlagwort "Kirche" eingegeben wird, erscheinen alle Kirchen, bei "Heimfeld", alle Postkarten mit Motiven aus Heimfeld und bei "Sand" alle Karten mit Harburgs Marktplatz. Außerdem stellt er aktuelle Aufnahmen der Orte gegenüber, die auf den Karten abgebildet sind, und auf einem Stadtplan wird die entsprechende Straßenecke markiert. Irgendwann wurden andere Sammler und Harburger Hobby-Historiker auf das "private Archiv" aufmerksam. Und auch dadurch ergaben sich neue Möglichkeiten: In die Rubrik "Wer kennt diese Ansicht?" stellt Rather die Aufnahmen, die er selbst keiner Straße zuordnen kann. Als Reaktion auf ein unbekanntes Haus - die Karte wurde am 29. März 1912 abgestempelt - folgt der erste Gästebucheintrag "Moin Stefan, ist das nicht in der Haakestraße?", und eine Elena schreibt "Hat irgendwie Ähnlichkeit mit meiner alten Wohnung in der Buxtehuder Straße 55 - oder links daneben. Hoffe konnte helfen."

Gut 400 seiner Postkarten sind schon "online". Aus einer seiner Kisten mit den Motiven, die er noch nicht fürs Internet eingescannt hat, zieht er eine Aufnahme der Merkur-Drogerie. "1910" ist auf dem Poststempel zu erkennen. Vor dem Laden an der "Ersten Wilstorfer Straße" - heute nur noch Wilstorfer Straße - haben sich zwei Männer aufgebaut "von denen einer mit Sicherheit der Besitzer ist", so Rather: "Und man kann im Schaufenster sehen, was damals alles angeboten wurden." Postkarten wie diese seien der Grund, warum er mit dem Sammeln angefangen haben, so der 37-Jährige Marmstorfer: "Hier kann ich ein Harburg betrachten, wie ich es selber nie gesehen habe."

Die Internetseite von Stefan Rather lautet www.harburg-an-der-elbe.de . Auch zu empfehlen ist die Homepage des Postkartensammlers Matthias Kohls, bei dem die alten Harburg-Postkarten in Form von historischen Stadtspaziergängen aufbereitet sind: www.kohls-Harburg.de