New-York Hamburger

Neue Idee für die Kammfabrik

Bleibt ein Teil der Produktion in Harburg? Das zumindest hofft NYH-Chef Bernd Menzel.

Harburg. Der Umzug der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie AG (NYH) von Harburg nach Lüneburg hat sich um weitere drei Wochen verzögert. Das hat der Vorstandsvorsitzende Bernd Menzel jetzt den HAN bestätigt. Zugleich wartete er jetzt mit einer neuen Idee auf, die vor allem die Fans des legendären Hartgummi-Kamms "Hercules Sägemann" begeistern dürfte: "Wenn es nach mir ginge, würde ich einen Teil der Kamm-Produktion in der Harburger Kammfabrik belassen und dort im Rahmen einer kleinen Manufaktur eine exklusive Kleinserie fertigen lassen. Dazu könnten wir einen Teil der dortigen Maschinen nutzen und unseren Kunden, überwiegend Friseure, einen Rundgang durch die Fertigung ermöglichen." Diese Idee war von verschiedenen Seiten an Menzel herangetragen worden. Jetzt will er mit der Ecocity GmbH und dem Aufsichtsrat nach Wegen suchen, die Vision zu realisieren.

Wie Menzel den HAN sagte, würde die exklusive Kammfertigung in Harburg allenfalls zehn Prozent der Gesamtproduktion betreffen. "Wir fertigen im Jahr drei Millionen Hercules-Sägemann-Kämme, die an Kunden in aller Welt gehen. Die Hauptproduktion der Kämme wird wie geplantkünftig in Lüneburg stattfinden. In Harburg könnten wir unseren Kunden die wichtigsten Schritte der Produktion zeigen, inklusive einer hochmodernen neuen Vulkanisation." Und: "Traditionell wurden die Friseure nach Harburg eingeladen und durch die Kammfabrik geführt. Das ist in Lüneburg so nicht mehr möglich, weil wir dort keine separaten Räume haben", so Menzel. Ihm schwebt vor, auf zwei Geschossen der historischen Kammfabrik auf der Ecke Nartenstraße/Neuländer Straße eine Sammlerserie edler Kämme mit Goldprägung zu produzieren, die durch erweiterte Verfahren noch hochwertiger sein soll als die ohnehin schon gut aufgestellte Profi-Serie.

Ob der Plan eine Chance hat, liegt allerdings auch an der Investorengruppe unter dem Dach der Harbour Real Estate Portfolio AG, die - wie mehrfach berichtet - auf dem NYH-Gelände das Zukunftsprojekt Ecocity bauen will. Für den Umbau der Kamm-Fabrik liegt bereits eine Bauvoranfrage im Rathaus. Menzel: "Eine Kammfertigung als Manufakturbetrieb mit Maschinen und einem Showroom für Kunden muss sich in das Konzept einpassen. Dazu sind Messungen beispielsweise über Lärmemissionen nötig. Aber ich bin davon überzeugt, dass sich so eine Fertigung auch mit dem ökologische Gesamtkonzept von Ecocity vereinbaren lässt. Wenn wir ,Made in Germany' haben wollen, dann muss das möglich sein!"

Das Manufaktur-Konzept wird unter dem Namen "Hercules Sägemann" betrieben. Früher nur ein Markenname für den arbeitsaufwendigen Profikamm auf Kautschukbasis, steht der historische Name ab sofort für eine eigene Gesellschaft, die der Tacitus Capital AG gehört. An die AG waren damals die Markenrechte verkauft worden. Die Aktien der AG sind zu 85 Prozent im NYH-Besitz.

Der Umzug der NYH nach Lüneburg sollte eigentlich bis Ende des Jahres 2009 vollzogen werden. Doch dann wurde wieder einmal das Geld knapp, deshalb mussten Bestellungen für Maschinen aus der Kammproduktion auf Eis gelegt werden, wie Menzel gegenüber den HAN einräumte. Andere Maschinen beispielsweise für die Fertigung von Bauteilen für Stihl-Motorsägen sind dagegen schon aufgestellt.

Vor wenigen Tagen hat die Stadt Lüneburg eine Bürgschaft über eine halbe Million Euro abgesegnet. Weitere 2,5 Millionen Euro haben private Investoren aufgebracht, eine weitere Million wurde aus eigenen Mitteln bereitgestellt. Menzel: "Jetzt sind wir wieder im Fluss. Bis auf die Kammproduktion soll der Umzug am 20. Januar abgeschlossen sein."

Die Harburger Kammproduktion ist auch ein historisches Thema und mit vielen Emotionen verbunden. Die NYH hat mit dem "Hercules Sägemann" ein Weltprodukt im Portfolio und setzt konsequent auf "Made in Germany", wie Menzel betont.

Die eigenständige Gesellschaft Hercules-Sägemann in Harburg könnte eine exklusive Kamm-Manufaktur aufbauen.