Tierschützer kritisieren neue Kleingruppenhaltung
"Legehennen leiden weiter in Käfigen"
"Auch nach dem Aus für Legehennenbatterien geht das Leiden der Legehennen in Käfigen weiter", sagt der Vorsitzende des Tierschutzfachverbands...
Von Carsten Weede
Stelle. "Auch nach dem Aus für Legehennenbatterien geht das Leiden der Legehennen in Käfigen weiter", sagt der Vorsitzende des Tierschutzfachverbands "Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung" (AGfaN), Eckard Wendt aus Stelle.
"Trotz des seit Jahresbeginn geltenden Verbots der herkömmlichen Legekäfige werden hierzulande auch in Zukunft Legehennen in Drahtgitterkäfigen ihr Dasein fristen müssen", betont Wendt. Das von der Geflügelwirtschaft als "Kleingruppenhaltung" angepriesene System sei im Prinzip auch nur ein Drahtgitterkäfig. Seit dem 1. Januar ist das Halten von Hennen in Legebatterien in Deutschland endgültig verboten und damit zwei Jahre früher, als es das EU-Recht verlangt. "Die Landkreise wurden aufgefordert, bis Mitte Januar schriftlich zu bestätigen, dass es keine Hühner mehr in Legebatterien gibt", sagt der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Gerd Hahne.
Das Verbot jeglicher Käfighaltung von Legehennen sei noch von der rot-grünen Bundesregierung für den 1. Januar 2007 festgelegt worden. "Nach dem Regierungswechsel ließ die schwarz-rote Bundesregierung den neuen Großgruppenkäfig für bis zu 60 Legehennen auf Druck derHühnerbarone im Eilverfahren zu und verlängerte die Übergangsfrist zunächst bis zum Jahresende 2008 und dann noch einmal bis Ende 2009", berichtet Wendt.
Der in "Verbraucher täuschender Absicht" als "Kleingruppenhaltung" bezeichnete Großkäfig biete den Hennen kaum mehr, als die in der EU ab 2012 zum Mindeststandard erhobenen "ausgestalteten Legekäfige". Einziger nennenswerter Vorteil sei das abgedunkelte Legenest.
"Das von Geflügel-Experten als unverzichtbar angesehene {sbquo}Staubbad' mutierte schon vor Jahren zum {sbquo}Scharrbereich', in den offiziell Legemehl in homöopathischen Mengen gegeben wird, möglicherweise aber auch nur dann, wenn einmal fachfremde Besucher einen Stall nach Anmeldung besichtigen dürfen", sagt Wendt. Bei einer maximalen Höhe von 60 Zentimetern und der Anbringung von Sitzstangen auf halber Höhe, könnten die Hennen nur geduckt darauf sitzen und sich nach dem Aufwachen weder strecken noch ihr Gefieder pflegen.
"Das ganze Haltungssystem lässt sich nur bei mickerigstem Dämmerlicht betreiben, weil die Hennen sich sonst gegenseitig tot picken würden", moniert der Tierschützer aus Stelle. "Unser Tierschutzfachverband empfiehlt deshalb allen Verbrauchern, die diese tierquälerische Haltungsform nicht unterstützen wollen, keine Eier mit dem Code {sbquo}3', auch keine mit {sbquo}3-DE' zu kaufen", sagt Wendt.
In Niedersachsen leben nach Angaben der Geflügelwirtschaft fünf Prozent der Legehennen in Bio-Haltung,15 Prozent in Freiland-,15 Prozent in Kleingruppen- und 65 Prozent in Bodenhaltung. "Die Freilandhaltung ist die einzige artgerechte Haltung", sagt dazu Vera Steder, Vorsitzende des Landesverbands Niedersachsen im Deutschen Tierschutzbund. Verbrauchern empfiehlt sie, ausschließlich Eier aus Bio- oder Freilandhaltung zu kaufen, die mit einer "0" oder "1" markiert sind.
Die Kleingruppenkäfige, auf die die meisten großen Betriebe umstellen, seien nicht artgerecht. Die Hühner seien dort auf geringfügig größerem Raum eingesperrt als in den herkömmlichen Legebatterien. "Sie können dort ihr Gefieder nicht pflegen, sie können nicht aufflattern, und sie können nicht im Sand baden", betont die Tierschützerin.
