Hammburg übernimmt eine Vorreiterrolle zum Schutz der Regionalsprachen
Nu geiht dat los: Platt ward Fach in de School
An den Primarschulen soll nach den Sommerferien der Unterricht bereits in der 1. Klasse beginnen."Wi snackt platt" wird es künftig verstärkt an...
An den Primarschulen soll nach den Sommerferien der Unterricht bereits in der 1. Klasse beginnen.
Von Claudius Ossig
Finkenwerder. "Wi snackt platt" wird es künftig verstärkt an Hamburger Schulen heißen, und zwar als vollwertiges Unterrichtsfach. "Nach den Sommerferien erhalten Hamburger Schüler die Möglichkeit Plattdeutsch zu lernen. Mit dieser Regelung betritt die Hansestadt als erstes aller Bundesländer, in denen Plattdeutsch gesprochen wird, Neuland. Mit diesem Schritt - weg von der einfachen ,Begegnung' mit der Sprache Plattdeutsch hin zum Spracherwerb erfüllt Hamburg auch eine vom ,Bundesroot för Nedderdüütsch' in seinen Schweriner Thesen erhobene Forderung, die auch Teil der staatlichen Verpflichtungen aus der Europacharta zum Schutz der Regional- und Minderheitensprachen ist", teilte der HAN-Plattdeutsch-Autor und ehemalige Ortsamtsleiter von Finkenwerder, Uwe Hansen, mit.
Hansen ist stellvertretender Sprecher des "Plattdüütsch-roots för Hamborg", Mitglied im "Bundesroot för Nedderdüütsch"sowie "Vörsitter Plattdüütsch in Hamburg e.V". Hansen sagt: "Der ,Plattdüütschroot för Hamborg' hat darauf hin gewirkt, das die Rahmenrichtlinien für den Schulunterricht in Hamburg in diesem Sinne verändert werden und erkennt an, dass der Hamburger Senat damit eine Vorreiterrolle in ,Plattdüütschland' übernimmt."
Bisher fristete die Regionalsprache ihr schulisches Dasein vor allem in Form freiwilliger
Arbeitsgemeinschaften. Im Sommer 2010 sollen nun die Richtlinien in Kraft treten. Eine Arbeitsfassung des "Rahmenplans Niederdeutsch" wird in einigen Tagen ins Internet gestellt. Im Zuge der Umstellung des Schulsystems auf die Primarschule hat die Behörde diesen in Norddeutschland bislang einmaligen Schritt vollzogen. Für die Klassen 1 bis 3 sind zwei Wochenstunden eingeplant, in den Klassen 4 bis 6 sogar drei. Die zumeist spielerischen Arbeitsweisen orientieren sich an den Methoden moderner Sprachvermittlung.
Außer dem praktischen Platt-Snacken zielt der Unterricht im sgenannten Wahl-Pflichtfach auch auf das Kennen lernen und Umgehen mit Besonderheiten der regionalen Kultur. Kontakte mit Sprechern sind ebenso vorgesehen wie das Erproben erlernter Sprachfähigkeiten auf dem Wochenmarkt. Dabei sollen die Schüler auch erfahren, dass Platt eine lebendige Sprache ist, die den Alltag vieler Menschen in Norddeutschland bis heute prägt.
"Wir haben uns seit langem dafür eingesetzt, dass Platt an Hamburger Schulen als vollwertige Sprache unterrichtet wird und begrüßen den Erlass dieser neuen Richtlinien als einen wichtigen Schritt zur Pflege, wenn nicht zum Erhalt der Plattdeutschen Sprache in Hamburg!", sagt Hansen.
Immerhin gaben in einer Umfrage noch zehn Prozent alle Hamburger an, Plattdeutsch zu verstehen. Und von diesen sagen etwa 25 Prozent, dass sie die Sprache auch sprechen können. Hansen: "Das Interesse ist also vorhanden und zeigt sich auch an der zunehmenden Beliebtheit plattdeutscher Texte." Kommentar Seite 2
