Glatteis Mehr als 100 Sturz-Opfer pro Tag - Viele landen im OP

Mariahilf: Chirurgen im Dauereinsatz

"Wir hatten am Wochenende 108 Patienten allein in der chirurgischen Ambulanz, und am Sonnabend mussten wir von 9 Uhr morgens bis 4 Uhr nachts rund um...

Von Florian Kleist

Heimfeld. "Wir hatten am Wochenende 108 Patienten allein in der chirurgischen Ambulanz, und am Sonnabend mussten wir von 9 Uhr morgens bis 4 Uhr nachts rund um die Uhr operieren", erzählt Rüdiger Zahmel: Dem leitenden Krankenpfleger der Notaufnahme des Krankenhauses Mariahilf ist der Stress der vergangenen Tage zwar kaum anzusehen. Aber die nackten Zahlen aus dem Heimfelder Klinikum sprechen für sich: "Das ist nicht normal, was hier durch das Glatteis los ist."

Das zum Teil zentimeterdicke Eis auf den Fußwegen beschert den Mitarbeitern der Feuerwehr und dem Personal vor allem in den Notaufnahmen der Krankenhäusern Dauerstress: Die Hamburger Feuerwehr musste von Sonnabend früh bis Sonntag Nachmittag rund 220 Mal nach witterungsbedingten Stürzen ausrücken. Auch Zahmel hat konkrete Zahlen zusammengestellt: "Vier Schenkelhalsbrüche, einmal das obere Sprunggelenk, vier Handgelenke, fünfmal war's der Ellenbogen und zwei Oberarmfrakturen - und das war nur das Programm am Sonnabend in unserer Abteilung und nur die Brüche." All diese zum Teil nur im Operationssaal zu behandelnden Verletzungen waren auf Stürze zurückzuführen: "Viele waren in der Innenstadt ausgerutscht, andere direkt vor ihrer Haustür." Zwar hätten auch junge Menschen auf dem Eis den Halt verloren, aber die "schlimmsten Brüche hatten wir fast durchweg bei der Generation 50plus", erzählt Zahmel. Die Jüngeren seien häufig mit einer "Zerrung, Dehnung oder Prellung davongekommen". Um den Ansturm zu schaffen, sei unter anderem ein zusätzlicher Oberarzt in der Unfallchirurgie im Dienst gewesen: "Wir haben zum Glück ein gut eingespieltes Team, sodass wir keinen Verletzten wegschicken mussten. Es hätte aber auch nichts gebracht: Denn die Notaufnahmen in den anderen Krankenhäusern sind ja auch überfüllt."

Konkrete Zahlen aus der größeren der beiden Harburger Kliniken - der Asklepios Klinik Harburg (AKH) - gab es gestern nicht. Von dort hieß es: "Bei uns ist der Wartebereich voll." Auch im Landkreis Harburg ist die Lage nicht anders. Aus der Notaufnahme des Buchholzer Krankenhauses hieß es: "Wir sind permanent im OP."