Auszeichnung Gesamtschule Süderelbe ist jetzt Vorbildschule
Unterrichtskonzept mit Prädikat
. Eine besondere Auszeichnung ist der Gesamtschule Süderelbe (GSS) zuteil geworden. Die Bildungseinrichtung in Neuwiedenthal zählt zu einer von 30...
Von Claudius Ossig
Neuwiedenthal . Eine besondere Auszeichnung ist der Gesamtschule Süderelbe (GSS) zuteil geworden. Die Bildungseinrichtung in Neuwiedenthal zählt zu einer von 30 Vorbildschulen in Hamburg. Ihr mit diesem Prädikat gewürdigtes Unterrichtskonzept bezieht sich auf individualisierte Lese- und Rechtschreibförderung. Das Deutschprojekt gilt als einzigartig in Hamburg.
"Toll, dass wir diese Arbeitsmöglichkeiten hier haben. Wir können in Ruhe Lesen und Rechtschreibung üben", freut sich die elfjährige Angelina in der Schulbibliothek, die mit gut 1000 Kinder- und Jugendbüchern ausgestattet ist. Alle Werke sind katalogisiert. Mittels eines Leasing-Systems wird der Bücherbestand zweimal im Jahr von der Bücherhalle Neugraben ausgewechselt. Die enge Kooperation mit der Einrichtung ist aber nur ein Teilaspekt des Gesamtprojekts. "Die großen Stichworte sind Individualisierung und Nachhaltigkeit", erklärt der mittlerweile pensionierte GSS-Lehrer Gerhard Dammann. Er ist der Erfinder des Deutschprojekts. Schon Anfang der 1980er-Jahre war für den Pädagogen klar: Zwischen guten Lese- und Rechtschreibleistungen sowie schulischem Erfolg in naturwissenschaftlichen Fächern besteht ein enger Zusammenhang. Folglich stellte er die Deutschförderung Schritt für Schritt neu auf: Alle Schüler, die in die Gesamtschule eintreten, werden zu Beginn des Schuljahres getestet. Durch qualitative Fehleranalyse werden Stärken und Schwächen eines jeden einzelnen festgestellt. Nach der Diagnose richtet sich dann das individuelle Lese- und Rechtschreib-Förderprogramm. Dammann: "Wir stellen unterschiedliche Lernmaterialien schwachen und leistungsstarken Schülern bereit, ohne, dass sie merken, letztlich mit unterschiedlichen Lernstoffen zu arbeiten." Diskriminierung beim individualisierten Unterricht nach dem Motto "Du bist ja in einer schlechteren Lerngruppe als ich" kommt dadurch nicht auf.
Beim Sinn erfassenden Lesen beispielsweise wird für gute Leser hauptsächlich auf Kurzgeschichten, Anekdoten und anderes zurückgegriffen. "Durch schriftliche Aufgabenstellung überprüfen wir, ob die Kinder den Sinn erfasst haben. Leser, deren Leistungen dem mittleren Bereich zuzuordnen sind, erhalten angemessene Texte, deren kürzerer Umfang die Kinder nicht den Mut verlieren lässt.
Bei den schwachen Lesern kommen literarische Texte kaum vor. Dafür wird auf kurze Reime, Gedichte und Sachtexte zurückgegriffen. Diese Schüler dürfen ausnahmsweise einmal mündlich antworten", erläutert der Pädagoge. Arbeits- und Lerntempo dürfen die Kinder in einem gewissen Rahmen selbst bestimmen. Mit Beginn der Ganztagsschule waren an der GSS zuerst Lesepausen eingerichtet worden. Als es dann einen Computerraum mit 16 Schüler-PC gab, wurde auch dieser für das Deutschprojekt genutzt. Seitdem Verlage mit Schulen vernetzt sind, gibt es Aufgaben für Schüler im Lese- und Rechtschreibbereich auch online. Die Schüler bekommen einen Förderplan und wissen, was sie abarbeiten sollen. Die GSS-Pädagogen haben auch selbst eine umfangreiche Fragenkartei ausgearbeitet, die es ihnen erlaubt, die Kinder nach dem Inhalt des gelesenen Buches zu fragen. Von den Klassen 5 und6 ist das Konzept mittlerweile auf die Klassen 7 ausgedehnt worden. Denn nicht nur Gerhard Dammann und seiner Ehefrau Barbara Dammann-Kudziela, die Sprachlernkoordinatorin an der GSS ist, ist klar: Wer nicht lesen und schreiben kann, der hat auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft keine Chancen.
"Die Stichworte sind Individualisierung und Nachhaltigkeit"
