Zugestellt Vattenfall-Arbeiter nehmen Moorburgern Stellplätze weg - Konzern appelliert an Vernunft
20 Minuten für das Ausparkmanöver
Die Moorburger bekommen weiter "eingeschenkt": Nachdem es als sehr wahrscheinlich gilt, dass durch den Ort im Zuge der geplanten Verbindung zwischen...
Von Jan Schubert
Moorburg. Die Moorburger bekommen weiter "eingeschenkt": Nachdem es als sehr wahrscheinlich gilt, dass durch den Ort im Zuge der geplanten Verbindung zwischen A1 und A7, wie mehrfach berichtet, eine Autobahnbrücke verlaufen wird und direkt vor dem Ort ein Kohlekraftwerk entsteht, bietet Letzteres aktuell für die Anwohner weitere Ärgernisse. Sie beklagen: Seit einem Dreivierteljahr stellen Autos die Straßenzüge Nehusweg, Moorburger Burgweg und Moorburger Kirchdeich dicht. Autos, die den Kraftwerk-Bauarbeitern gehören.
Dem 70-jährigen Uwe Müller reicht es: Er lebt seit 23 Jahren in Moorburg, doch das, was sich seit vergangenem Sommer - besonders seit Dezember - vor seiner Haustür abspielt, hat er noch nicht erlebt: Von 6 Uhr morgens an bis in den Nachmittag hinein gegen 16 Uhr stehen fremde Fahrzeuge an besagten Straßen. 70 bis 80 Wagen sollen es täglich sein, bisweilen nicht verkehrsgerecht und zum Verdruss der Hausbesitzer abgestellt: "Am Montag bin ich nicht ohne Hilfe aus meiner Garagenausfahrt gekommen", erinnert sich Müller. Zwei Fahrzeuge verengten die Ausfahrt, zudem erschwerten Schnee und Eis das Fahrmanöver für den 70-Jährigen:"20 Minuten hat das gedauert." Vor 14 Tagen, so kann der Rentner weiter berichten, sei ein Nachbar so zugeparkt gewesen, dass es zum lautstarken Disput mit dem Verkehrssünder gekommen sei.
Einzelfälle? Keineswegs, wie Moorburgs Stadtteilpolizist Jörn Tietzel weiß. Er sei oft wegen solcher Meldungen vor Ort. Aber: Da es sich beim Nehusweg/Moorburger Burgweg/Moorburger Kirchdeich um öffentliche Straßen handelt, weiß Tietzel: "Die Anwohner haben kein Anrecht auf einen Stellplatz vor der Haustür." Ein Großteil der Arbeiter parke "verkehrsgerecht", weiß der Beamte.
Der Konflikt ist umfassender: Es gibt drei größere Parkplätze, die von dem Energiekonzern angemietet wurden, in und um Moorburg herum. Diese befinden sich nach Angaben von Vattenfall-Sprecher Stefan Kleimeier an der Ecke Fürstenmoordamm/Moorburger Hauptdeich sowie an der Nippoldstraße in Neuhof als auch am Heykenaukamp in Neuwiedenthal. Des Weiteren gibt es beim Moorburger Speditionsunternehmen August Ernst angemieteten Parkraum, etwa 1000 Meter entfernt vom Kraftwerk. Bus-Shuttles bringen das Personal zur Großbaustelle. 1000 bis 1300 Mitarbeiter sollen dies nach Angaben von Vattenfall täglich sein. Problem: Ein Großteil der Plätze bleibe jeden Tag unbenutzt, hat Jörn Tietzel beobachtet. Der Transfer sei "wohl zu unbequem", mutmaßt Müller.
Beim Energieriesen ist die Problematik bekannt: "Wir sind in ständigen Gesprächen mit unseren Mitarbeitern und empfehlen, die Angebote zu nutzen", so Vattenfall-Sprecher Kleimeier. "Das ist das, was wir als Unternehmen tun können." Nicht genug für Uwe Müller und andere - zumal das öffentliche Leben in Moorburg erschwert wird. Am Nehusweg liegt die St.-Maria-Magdalena-Kirche. "Wenn dort unter der Woche Hochzeiten oder Beerdigungen mit 50 bis 60 Gästen stattfinden, können die hier nicht parken."
Der Moorburger suchte das Gespräch mit Vattenfall, doch außerdem Hinweis, an die Vernunft der Mitarbeiter zu appellieren, kam zu Müller nichts zurück. "Hinhaltepolitik", schimpft der 70-Jährige. "Dort hat man kein Interesse an uns." Aus seiner Sicht gebe es bei der Baustelle genügend Freiflächen für Parkplätze. Vattenfall plant aber keine zusätzlichen Parkgelegenheiten.
