Protest 400 Einwohner gegen Tostedter Rathaus-Neubau
Rasant zum Bürgerentscheid
Die Volksseele kocht: Mehr als 400 Menschen drängten sich im Saal des Hotels "Zum Meierhof", um gegen den geplanten Teilabriss und Neubau des...
Von Christa-Maria Brockmann
Tostedt. Die Volksseele kocht: Mehr als 400 Menschen drängten sich im Saal des Hotels "Zum Meierhof", um gegen den geplanten Teilabriss und Neubau des Tostedter Rathauses zu protestieren. Wie berichtet, hatte der Samtgemeinderat das 3,8-Millionen-Objekt im März beschlossen. Jetzt wollen Einwohner das Vorhaben durch ein Bürgerbegehren stoppen. "Unsere Auftaktveranstaltung übertraf alle Erwartungen", sagt Peter Dörsam, einer der Initiatoren der Aktion gegen das "Schulden-Rathaus", "wir haben jetzt schon 1300 Unterschriften. Wenn sich bis zum 14. Juli 2050 Wahlberechtigte in unsere Listen eintragen, können wir den Volksentscheid beantragen."
Bei der Veranstaltung am Dienstagabend standen die Tostedter vor den ausgelegten Listen Schlange. Sie wurden dabei von einem Kamerateam des ZDF gefilmt. Auch das Ehepaar Werner und Lotti Riess aus Welle trug sich ein: "Unser Rathaus ist sehr gut erhalten und genügt den Ansprüchen. Es ist eine Frechheit, wie unverantwortliche Politiker unser Steuergeld zum Fenster rauswerfen. Die Millionen wären in Schulen, Kindergärten und Straßenreparaturen sinnvoller angelegt." Zur Enttäuschung der Anwesenden waren die Befürworter des Rathaus-Neubaus nicht gekommen. Bürgermeister Dirk Bostelmann und Verantwortliche der Verwaltung hätten mitteilen lassen, dass sie sich neutral verhalten wollten, informierte Peter Dörsam. "Jetzt kneifen sie und lassen uns auch noch völlig im Ungewissen", lautete der Kommentar der Zuhörer. "Wenn wir die Bürgerinitiative nicht hätten, wüssten wir gar nicht, worum es geht." Samtgemeinde-Ratsherr Waldemar Hindersin (Grüne) nannte anhand einer Leinwandpräsentation die Kosten und Fakten. Den Anstoß für die Rathaus-Erweiterung habe die Polizei gegeben, die derzeit notdürftig in einem Einfamilienhaus und einem Container untergebracht sei. Die solle nun ins Bürgerbüro im Rathaus einziehen. Daraus sei eine verhängnisvolle Planungskettenreaktion entstanden, die alle Dimensionen sprenge. Für die Polizei wäre das Land Niedersachsen zuständig. Diese könne Räumlichkeiten anmieten oder einen Neubau schaffen. Die Samtgemeinde habe damit überhaupt nichts zu tun, betonte Hindersin.
"Was soll die Millionen teure freiwillige Hilfsbereitschaft, fragen sich die Bürger, und was passiert, wenn das Land wegen rückläufiger Bevölkerungszahlen die Polizeistation in Tostedt schließt? Dann haben wir ein leeres Gebäude." Wie Hindersin weiter ausführte, entstehen durch die Erweiterung des Rathauses nur drei Quadratmeter mehr für Arbeitsplätze. Nebenflächen wie Flure, Wartezonen und Lager stiegen hingegen um 675 Quadratmeter. Hinzu komme ein 265 Quadratmeter großer Saal. Dort tage der Rat aber nur sechsmal im Jahr. Hindersin befürchtet, dass die Gesamtkosten auf fünf Millionen Euro ausufern. In ihren Redebeiträgen warnten die Bürger eindringlich vor der Aufnahme neuer Schulden ohne zwingende Notwendigkeit. "Schluss mit dem Wahnsinn" lauteten die Appelle der Anwesenden. Bedenklich: Bereits ohne den Rathaus-Neubau steigt die Verschuldung der Samtgemeinde Tostedt laut Bürgerinitiative bis 2012 auf 15 Millionen Euro.
Die Unterschriftenlisten liegen aus bei den Buchhandlungen Buch und Lesen, Matthies und Voigt sowie bei Friesecke, Carmellini, Schuhhaus Schröder, Becker Reisen, Hotel Zum Meierhof, Opel Soujon, Optik Dreppenstedt und anderen.
www.schuldenrathaus-tostedt.de
Unter dieser Adresse gibt's Pläne und Argumente dagegen.
