Rallye-Abenteuer Vier Jesteburger bei der "Superkarpata 2010" in Rumänien teil

Durch atemberaubende Wildnis

. Mit dem Geländewagen quer durch die Karpaten - man muss schon ein bisschen verrückt sein, um sich auf so ein Unternehmen einzulassen. Ole Wegner...

Von Corinna Panek

Jesteburg/Apa . Mit dem Geländewagen quer durch die Karpaten - man muss schon ein bisschen verrückt sein, um sich auf so ein Unternehmen einzulassen. Ole Wegner (41), Tobias Harm (41), Eckhard Spoerr (42) und Thorsten Tattenberg (40), alle aus Jesteburg und Umgebung, haben es getan. Bereits zum zweiten Mal hat das Quartett unter dem Namen "Dirt Devils" an der Rallye "Superkarpata" teilgenommen, die Ende Mai in Rumänien ausgetragen wurde.

Das Besondere an dieser neuntägigen Rallye: Es ist keine feste Route vorgegeben, sondern ein Korridor, innerhalb dessen sich die Teams bewegen dürfen. Dies wird per GPS-Überwachung sichergestellt. Zudem darf nur von 7 bis 21 Uhr gefahren werden - egal wie weit. Sieger ist das Team, das die kürzeste Strecke zurückgelegt hat. Das alles stellt Fahrer und Autos vor enorme Herausforderungen.

Mit zwei Landrover-Defender-Geländewagen gingen die "Dirt Devils" an den Start. Insgesamt waren 16 Teams dabei.

Um auf die Tour gut vorbereitet zu sein, mussten die Autos entsprechend aufgerüstet werden - mit Seilwinden, Schutzkäfigen und Unterfahrschutz beispielsweise. "Außerdem hatten wir Werkzeug und Ersatzteile für Getriebe, Motor und Achsen im Wert von rund 5000 Euro dabei", berichtet Ole Wegner. In einer Harmstorfer Scheune hat das Team die wichtigen mechanischen Handgriffe zum Aus- und Einbau von Teilen geübt, denn außer Thorsten Tattenberg, der im Kfz-Handwerk tätig ist, sind die Teammitglieder reine Hobbyschrauber. Und diese Fertigkeiten waren unterwegs immer wieder gefragt.

Vom Showstart im Wiener Vorort Halbthun ging es zur Startetappe nach Apa in Rumänien, kurz vor der ukrainischen Grenze. Hier galt es zunächst eine Sonderprüfung zu bestehen, was mit einem Zeitguthaben belohnt wurde. "Wir mussten ein Auto 20 Zentimeter über dem Boden {sbquo}schweben' lassen. Das haben wir gelöst, indem wir Bergegurte unter das Auto gelegt haben. Diese wurden von zwei Autos eines anderen Teams straff gehalten, sodass sie unser Auto trugen", berichtet Ole Wegner. Das gab zwei Stunden zusätzlich aufs Zeitkonto, welche sich die "Dirt Devils" mit dem Unterstützer-Team "Landydoc" teilten.

Dann ging es auf in die Karpaten, ausgerüstet mit Landkarten und GPS. Und ohne vorgezeichnete Wege: Steile Hänge hinauf mit Hilfe der Seilwinden, durch den Wald nach Einsatz der Motorsäge - und dennoch setzte Eckhard Spoerr das Auto gegen einen Baum. Folge: Beulen im Blech. Am folgenden Tag fuhr sich der weiße Landrover im Morast fest - so fest, dass die Seilwinde heiß lief. Es folgte der Verlust einer Achse, eine Reparatur war unumgänglich. So musste das Team den Korridor verlassen, um eine Werkstatt aufzusuchen. "Abends um 21 Uhr klingelten wir an einer Werkstatt, und fünf Minuten später waren der Chef und sein Geselle da. Sie arbeiteten gut gelaunt bis 2 Uhr nachts", berichtet Ole Wegner. Das Ganze für 50 Euro. Immer wieder begegneten sich die Teams unterwegs - meistens unfreiwillig, wenn wieder ein Auto liegengeblieben war. Doch es wurde zusammengearbeitet. Den Tiefpunkt erlebten die "Dirt Devils" am siebten Tag: Das hintere Differenzial des weißen "Landys" verabschiedete sich. Damit waren die gegebenen Steigungen nicht zu bewältigen. Von den "Landydocs" wurde das Auto schließlich abgeschleppt, wo immer es nötig war. Im Verbund fuhren die Teams weiter. Großer Schreck an Tag acht: Eckhard wollte nur kurz das Gelände erkunden nach einem fahrbaren weg - doch er bleibt mehr als zwei Stunden weg. Nur durch dauerndes Rufen und Hupen fand er schließlich zurück - er hatte sich komplett verlaufen. Er berichtete zudem von frischen Bärenspuren und hatte große Angst bekommen. "Richtig Schiss" habe auch das Team gehabt, berichtet Ole Wegner. Zumal Eckhard ausgerechnet diesmal kein Funk- und kein GPS-Gerät mitgenommen hatte in der Annahme, er sei ja nur kurz weg. Ohne weitere Zwischenfälle und kurz vor dem Zeitlimit erreichten die "Dirt Devils" am letzten Tag das Ziel - und Platz vier.

Ole Wegners persönliches Fazit: "Die unfassbar schöne, einzigartige Natur und die außergewöhnlich gastfreundlichen Menschen haben die tiefsten Eindrücke hinterlassen. Selbst jene, die selbst fast nichts besitzen, teilen das Wenige noch mit uns Reisenden", berichtet er. Davon haben sein Team und weitere Teilnehmer auch etwas "mitgenommen": "Wir unterstützen jetzt ein Kinderheim durch eine Patenschaft."

Und: "Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei."