"Grumbrecht wäre in der heutigen Zeit gescheitert"

Unter Schatten spendenden Bäumen ging es nach dem Spargelessen auf die traditionelle Rundreise zu den Denkmälern rund um den Schwarzenberg. Erste...

Harburg (psel). Unter Schatten spendenden Bäumen ging es nach dem Spargelessen auf die traditionelle Rundreise zu den Denkmälern rund um den Schwarzenberg. Erste Station war das des Oberbürgermeisters Friedrich Wilhelm August Grumbrecht, der Harburg von 1855 bis zu seinem Tod im Jahr 1883 regierte. Redner dort war Eckhard Mißfeld vom nach dem Oberbürgermeister benannten Schießclub. Er hatte erst vor zwei Jahren diese Aufgabe übernommen, vertrat aber diesmal den erkrankten Otto Dunkel. Viel habe sich seitdem nicht getan, konstatierte er: "Das Neubaugebiet Neugraben-Fischbek hat tatsächlich ein paar vereinzelte Häuser bekommen, aber bei der Röttiger-Kaserne ist alles beim Alten - es wird geplant." Womit Mißfeld weniger die Lokalpolitiker vor Ort kritisieren wollte als die Strukturen der Hansestadt: "Heute wird ja alles Wichtige in Hamburg entschieden." Aber "Grumbrecht wäre in der heutigen Zeit vermutlich auch gescheitert oder in die freie Wirtschaft abgewandert".

In einem Exkurs kritisierte Mißfeld, als Vizepräsident des Schützenverbands Hamburg und Umgegend auch zuständig für Waffenrecht, die Ungleichbehandlung von Sportschützen und Kriminellen inBezug auf Waffenkontrollen: "Für Sportschützen gilt nicht mehr die Unschuldsvermutung".

Unter der Friedenseiche sprach dann Josef Schlarmann, Bundesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, zum passenden Thema - und warf vor allem Fragen auf: Welche Aufgaben haben die deutschen Soldaten heute? Sind sie dafür richtig ausgerüstet? Können sie diesen Krieg überhaupt gewinnen? "Niemand hat darauf eine Antwort", so Schlarmann. Auch um den inneren Frieden ging es - und eine wichtige Grundlage dafür sei die soziale Marktwirtschaft. Er kritisierte jedoch, der Wohlfahrtsstaat habe seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse gelebt: "Wir bräuchten eine Reform der sozialen Sicherung, die sowohl zukunfts- als auch mehrheitsfähig ist", so Schlarmann. Neue Ideen seien auch für Europa nötig: Dass nun jedes Land für die Schulden des anderen einstehen müsse, habe "gewaltige Sprengkraft".

Am Denkmal des Majors Ferdinand von Bissing sprach der Vorsitzende der Harburger GAL-Fraktion Ronald Preuß. Bissing (1787-1856) sei es zu verdanken, dass aus dem Exerzierplatz auf dem Schwarzenberg ein Park wurde - möglicherweise war er also Harburgs "erster Grüner". Mit dem Umbau der Pionierkaserne werde der Platz ein neues Gesicht bekommen, bei dem aber auch die Tradition gewahrt sei. Was Preuß bei von Bissing besonders sympathisch fand: Er hatte bei seiner Umgestaltung des Platzes die Vorgesetzten sicherheitshalber gar nicht erst gefragt.