Ausstellung
Als sich in Bendestorf die Stars die Klinke in die Hand gaben
Kino-Poesie im Bendestorfer Filmmuseum: Jetzt ist sie im siebten Himmel, sanft weht der Schleier um das blonde Haar. Mit entrücktem Blick lauscht die Braut dem Geigenspiel des feurigen Zigeuners. Im Hintergrund tanzt ausgelassen die Hochzeitsgesellschaft.
Bendestorf. Mit dieser Zeichnung von Erich Kettelhut wurden die Menschen im Nachkriegsdeutschland in den Film "Die Czardasfürstin" gelockt. Der legendäre Bühnenbildner, der von 1893 bis 1979 lebte, hat Plakate und Kulissen für insgesamt 120 Kinofilme erstellt. Eine Sammlung seiner Originalentwürfe ist jetzt im Bendestorfer Filmmuseum zu sehen. Die Deutsche Kinemathek aus Berlin hat die Bilder als Leihgabe für die Sonderausstellung "100 Jahre Rolf Meyer - die Junge Film Union" zur Verfügung gestellt.
Kaum zu glauben, aber wahr: Als es noch keine Computer und Grafikprogramme gab, dienten aufwendige Gemälde als Vorlagen für die sogenannten "Bauten". Die Bendestorfer Ausstellungsbesucher sehen Bilder von einem herrschaftliches Treppenhaus mit weißem, holzgeschnitzten Geländer und von einem Hotelzimmer mit gemusterter Bettdecke. Ob das noch Kunst ist oder schon Kitsch, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. "Diese Bilder berühren aber heute noch", sagt Monika Götz, Leiterin des Bendestorfer Filmmuseums.
Nicht von ungefähr kamen die Bühnen-Entwürfe jetzt zurück nach Bendestorf. Denn sie wurden im Jahr 1951 in den hier gedrehten Filmen "Sensation in San Remo" und "Die Czardasfürstin" realisiert, was auch Fotos dokumentieren. In beiden Streifen stand die singende und steppende Marika Rökk vor der Kamera. Der Revuefilm "Sensation in San Remo" schrieb als erster Agfa-Colorproduktion ein Stück Kinogeschichte. Auch "Die Czardasfürstin" war natürlich bunt. An der Seite von Johannes Heesters entfachte die Rökk ein wahres Feuerwerk an Tempo und Gefühlen.
"Nichts war für ihn unmöglich. Für unsere Filmwelten dachte er sich die verrücktesten Sachen aus", hatte Marika Rökk damals die Kreativität von Kettelhut gelobt. Der Szenenbildner wurde in Berlin geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er an der dortigen Städtischen Oper eine Lehre als Bühnenmaler. Während seiner steilen Karriere erlebte Kettelhut den Wechsel vom Stumm- zum Tonfilm. Dabei hat er schon früh die Raffinessen der Technik eingesetzt. So konstruierte er einen fahrbaren Aufnahmeturm: "Das umherschweifende Objektiv der Kamera muss überall interessante Einzel- und Gesamtbilder sehen."
Sonderausstellung "100 Jahre Rolf Meyer" mit Original-Entwürfen von Erich Kettelhut bis zum 30. November im Filmmuseum in Makens Huus, Poststraße 4, in Bendestorf. Öffnungszeiten: mo, do und fr von 9 bis 12 Uhr, di von 15 bis 18 Uhr und so von 15 bis 17 Uhr, Eintritt: Erwachsene zwei Euro, Jugendliche ab zwölf Jahre einen Euro.
