Kurt Kranz
Werkschau für den Pionier der Reihentechnik
Der Bauhaus-Künstler Kurt Kranz erhält aus Anlass seines 100. Geburtstags eine große Werkschau in Dessau. Kranz lebte in den 70er- und 80er-Jahren in Tötensen und lehrte unter anderem 22 Jahre an der Hochschule für bildende Kunst Hamburg. In Nenndorf hat er seine zweite Frau Ingrid geheiratet.
Tötensen/Dessau. Kranz war ein Pionier der seriellen und multiplen Kunst, der nichts dem Zufall überließ. Zu seinem 80. Geburtstag gab es in der Hamburger Kunsthalle eine große Ausstellung, zum 85. Geburtstag im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.
Ganz nebenbei: 1976 zeigte Kranz als Gast der "Seevetaler Künstler" eine Reihe seiner Arbeiten im Hittfelder Gymnasium. 1987 erhielt er aus der Hand der damaligen Kultursenatorin Helga Schuchardt die Biermann-Ratjen-Medaille. 1997 ist Kranz in Wedel gestorben.
Mit dieser Ausstellung wird ein Künstler geehrt, dessen umfangreiches Werk zwar weit über die Intentionen des Bauhauses hinausgeht, heute aber als geradezu musterhaft für dessen Intentionen gilt.
Das Schaffen von Kranz ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Als er 1930 im Alter von 20 Jahren zum Bauhaus kam, begann er keineswegs damit, die strengen Reihungen seiner Lehrer Klee und Kandinsky zu kopieren. Vielmehr gewann er ihnen heitere, spielerische und schwebende Versionen ab. Das betrifft aber nicht nur die Formen, sondern auch die Farben.
Zum anderen ist Kranz ein Pionier des abstrakten Zeichentrickfilms. Die ersten Pläne dazu entstanden bereits Anfang der 30er-Jahre, realisiert wurden die Filme erst später. Der damalige Kunstvereins-Chef Uwe M. Schneede zeigte diese Filme in Hamburg und entfachte damit heiße Diskussionen. Denn die Hauptfigur eines dieser Filme ist ein Pfeil, der seinen Weg nimmt.
Kein Werk bei Kranz steht für sich allein. Alles wird miteinander verbunden. So waren seine Maxime "Kunst geht über den Rahmen hinaus" sowie "Alles gehört zur Kunst" seinerzeit prophetisch. Heute sind sie selbstverständlich. In mehreren Büchern und Lehrwerken hat Kranz seine Erkenntnisse niedergeschrieben. Gastdozenturen führten ihn nach New Orleans, Honolulu, Tokio und Cambridge.
In seiner Tötensener Zeit schuf Kranz unter anderem ein "Variations-Triptychon". Dabei hat der Betrachter die Möglichkeit, durch Umlegen der einzelnen Seiten das endgültige Aussehen des Werks selbst zu bestimmen - und es nach Lust und Laune beliebig zu verändern.
Kurt Kranz hat lange warten müssen, bis sein Schaffen auch von einer breiten Öffentlichkeit akzeptiert wurde. Bis es aber so weit war, galt Paul Klees bitterer Ausspruch: "Uns trägt kein Volk."
Die Ausstellung in Dessau wird am 18. Oktober eröffnet und dauert drei Monate.
