Martin Grubinger

Trommeln für mehr Toleranz

Prominenter Besuch in Harburg: Der weltbekannte Schlagzeuger Martin Grubinger und sein internationales Trommel-Team präsentierten am Montagabend das Abschlusskonzert eines viertägigen Trommel-Workshops mit Harburger Schülern an der Gesamtschule Harburg.

Die HAN trafen Martin Grubinger vor dem ausverkauften, umjubelten Konzert in der Friedrich-Ebert-Halle zu einem Interview.

 

HAN: Herr Grubinger, Sie haben schon in vielen Weltmetropolen Konzerte gegeben. Warum jetzt Harburg?

Martin Grubinger: London, New York, Tokio oder eben Harburg - das macht keinen Unterschied. Wichtig ist, die Menschen zu erreichen und dass das Publikum einen guten Abend hat. Mir war es außerdem wichtig, in einen Bezirk zu gehen, in dem große Gegensätze überbrückt werden müssen. Ein Ort, an dem Menschen mit völlig unterschiedlichen wirtschaftlichen oder auch kulturellen Hintergründen zusammen leben. Kein schicker Bezirk, in dem nur Leute leben, die sich locker jede Form von Musikunterricht leisten können. Auch Kindern und Jugendlichen, deren Eltern nicht viel Geld haben, muss der Zugang zur Musik ermöglicht werden und genau darum ging es uns hier.

 

Wie haben Sie persönlich Harburg empfunden?

Harburg ist toll, mir hat die Zeit hier sehr viel Spaß gemacht. Die Stadt selbst ist vielseitig und lebendig, die Harburger Gesamtschule ein Ort, der für Multikulturalität steht. Vielleicht gehört Harburg nicht zu den einfachsten Orten, aber gerade deshalb arbeiten wir hier. Wenn es heute immerzu heißt, man müsse alle gleich behandeln und das wäre dann gerecht, muss ich sagen: Nein, wir müssen eben nicht alle gleich behandeln, sondern es gilt, gerade diejenigen zu fördern, die benachteiligt sind, um einer weiteren Elitebildung entgegen zu wirken.

 

Wie war die Arbeit mit den Schülern?

Die waren super, da sind echte Talente dabei. Mir hat die Zusammenarbeit mit ihnen riesigen Spaß gemacht. Am Workshop teilgenommen haben 86 Schüler aller Harburger Schulen und Schulformen und sieben Dozenten aus fünf Kontinenten. Durch die Musik und die gemeinsame kreative Arbeit ist es uns gelungen, ein echtes schul- und klassenübergreifendes Zusammengehörigkeitsgefühl aufzubauen und genau das war auch unser Ziel. Wo Jugendliche lernen, in Teamarbeit und nicht als Einzelkämpfer auf ein Ziel hinzuarbeiten, ist schon viel gewonnen.

 

Was sind denn überhaupt die Ziele solcher musikalischen Workshops?

Ich glaube, dass Musik allen Bevölkerungsgruppen zugänglich sein sollte. Gerade in Zeiten, in denen alle von Krise und Sparmaßnahmen reden, wollen wir ein Zeichen setzen. Während einige Privilegierte Vorteile erhalten, bleiben komplette Teile der Bevölkerung von Bereichen wie Musik und Kunst aus wirtschaftlichen Gründen abgeschnitten, das darf nicht sein. Wichtig ist mir auch, einen Beitrag zur besseren Verständigung zwischen den Kulturen beizutragen und eine Basis für Toleranz zu schaffen. Das Fremde soll neugierig machen, nicht verunsichern, und das kann man lernen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Parteien und Gruppierungen mit rechtsextremistischen und fremdenfeindlichen Inhalten bei den Menschen, die mit unseren Workshops in Kontakt kommen, keinerlei Gehör mehr finden werden. Zuletzt geht es mir persönlich auch vor allem um die Musik, die einfach Spaß macht.

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Zur Person

Martin Grubinger wurde 1983 in Salzburg geboren. Er zählt zu den besten Multipercussionisten der Welt. Dabei trat er in die Fußstapfen seines Vaters, der Dozent für Percussion an der Salzburger Musikhochschule ist. Der27-Jährige tritt in den großen Konzertsälen der Welt auf: darunter die Carnegie Hall in New York und das Palais des Beaux Arts in Brüssel. Aufsehen erregte Grubinger 2006 mit einem Schlagzeugmarathon, dem "Showdown at Vienna Musikverein". Seit Mai 2010 moderiert Grubinger das Musikmagazin "KlickKlack" im Bayerischen Fernsehen. Martin Grubinger ist verheiratet und lebt in Unterdorf in Thalgau.

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