Horst Albrecht vom TuS Fleestedt hat bei der Senioren-EM seine 90. internationale Medaille gewonnen

Ein weitgereister Weltrekordler

Er ist Ehrenbürger der Gemeinde Seevetal und ein Vorbild an Höflichkeit und Disziplin ganz "alte Schule": Horst Albrecht sieht niemand seine 85...
Er ist Ehrenbürger der Gemeinde Seevetal und ein Vorbild an Höflichkeit und Disziplin ganz "alte Schule": Horst Albrecht sieht niemand seine 85 Jahre an. Der Hittfelder trägt stets eine dezente Bräune im Gesicht, und sein weißes Haar ist voll und glänzend. Das Geheimnis seiner jugendlichen Ausstrahlung: Der Mann treibt intensiv Sport und ist der weitaus erfolgreichste Athlet des TuS Fleestedt.

Albrecht sammelt Medaillen wie andere Leute Briefmarken. Jetzt hat der immer freundliche Seevetaler seine Ausbeute bei internationalen Wettbewerben auf sagenhafte 90 Plaketten ausgebaut: Wie bereits kurz berichtet, hat der 85-Jährige am Abschluss-Wochenende der 16. Senioren-Europameisterschaften im slowenischen Ljubljana groß zugeschlagen und mit neuem Weltrekord von 18,91 Sekunden den EM-Titel über 80 Meter Hürden gewonnen. Albrecht verbesserte die alte Bestmarke des Italieners Ugo Sansonetti um fast eine Sekunde und siegte klar vor seinem Dauerrivalen Bruno Sobrero (ebenfalls Italien). An den zwölf Wettkampftagen in der Hauptstadt Sloweniens gewann der sympathische Leichtathletik-Senior insgesamt drei Gold- und fünf Silbermedaillen.

Nach zweimal Gold und zweimal Silber in der ersten Wettkampfwoche zeigte sich Horst Albrecht nach dem üblichen Ruhetag bestens erholt. Erst gewann er mit 6,75 Meter Silber im Dreisprung, wobei er sich erst im letzten Versuch dem Österreicher Emmerich Zensch (7,01 Meter) geschlagen geben musste, dann markierte er im Hürdensprint einen neuen Weltrekord. "Ich habe darauf gehofft und bin die 80 Meter Hürden im Training etwa 40 bis 50 Mal voll durchgelaufen", verriet der neue Europameister. Albrecht beherrscht im Gegensatz zu vielen seiner Konkurrenten den Vierer-Rhythmus und kann damit von Hürde zu Hürde jeweils mit dem anderen Bein zuerst das Hindernis überqueren. So hält er die Geschwindigkeit höher als beim Fünfer-Rhythmus.

Doch damit nicht genug: In seiner siebten und achten Disziplin innerhalb von zwölf Tagen gab es jeweils Silber. Zunächst im 200-Meter-Lauf (39,95 Sekunden) hinter Bruno Sobrero, dann mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel. Gemeinsam mit Guenter Meyer (Barienrode), Joachim Vetter (Radebeul) und Hans Eberle (Remseck) lief Horst Albrecht die Stadionrunde in 71,54 Sekunden. Europameister wurden die Italiener, erneut mit Schlussläufer Sobrero. Mit Rücksicht auf die hohe Belastung verzichtete der Seevetaler auf einen Einsatz in der deutschen 4x400-Meter-Staffel.

Albrecht nutzt seine Sportreisen auch gern zum Sightseeing und sah sich unter anderem die Grotten von Postojna an, mit 20 Kilometern Länge die zweitgrößten Tropfsteinhöhlen der Welt. "Ich habe ja schon viele Höhlen gesehen, aber das war wirklich ein Riesen-Erlebnis", war Albrecht völlig fasziniert.

Nach dem Rückflug mit einer Propellermaschine über Prag nach Hamburg und der Rückkehr in seine Hittfelder Wohnung gönnt sich der 85-Jährige erst einmal eine zweiwöchige Auszeit. Danach gilt es, die nächste Auftritte vorzubereiten: Immerhin warten 2009 die Hallen-Europameisterschaften in Ancona (Italien) und die Freiluft-Weltmeisterschaften in Lahti (Finnland).