Fußballprofi

So geht’s: Mit großen Schritten zum Fußball-Profi

Garstedt. Das orange Auetal-Trikot tragen sie auf dem Leib, die Werder-Fahne flattert am Mast des Garstedter Sportplatzes, obwohl bei den meisten der HSV im Herzen schlägt. 57 Jugendspieler sind zu einem Fußball-Talent-Camp des TSV Auetal für vier Tage zusammengekommen. Sie alle eint ein Berufswunsch: Fußballprofi.

Fussball-Talentcamp beim TSV Auetal: Hier Loris Petersen beim Torschusstraining.

Für die acht bis zehn Jahre alten E1-Jugend-Kicker, darunter zwölf Mädchen, gibt es keine "Butterwaage" mehr, keine Medizinbälle und kein Training mit Gewichten wie früher. Stattdessen: Stoppen und Sprinten mit dem Ball auf engstem Raum, Gegner ablaufen, den Ball ohne Foul erkämpfen, immer wieder Ballbeherrschung auf engstem Raum, Antizipieren (Vorwegnehmen eigener und gegnerischer Spielzüge) und die Entdeckung der Leichtigkeit des Seins auf dem Fußballplatz.

Tanyel Kaya aus Wulfsen und Loris Petersen aus Tangendorf sind gerade mal neun und zehn Jahre alt. Und doch müssen sie nicht lange überlegen, wenn man sie fragt, was sie bei einem solchen Talent-Camp am liebsten machen: "Standardsituationen üben!" fasst Loris zusammen. "Darunter versteht man Freistöße, Eckbälle und Elfmeter", ergänzt Tanyel so selbstsicher, als wenn er schon zehn Jahre Fußball spielte. "Aber jetzt müssen wir - glaube ich - weiter", entschuldigt sich Loris. Im Hintergrund winkt Trainer Michael Jürgen. Man merkt, dass die Botschaft des Ex-Regionalliga-Torwarts von Werder II angekommen ist: Nicht nur fußballerische Fähigkeiten fördern, sondern auch für gute "Kopfnoten" wie Pünktlichkeit und Disziplin sorgen. Jürgens Übung kennt der Außenstehende noch von Kindergeburtstagen als "Die Reise nach Jerusalem". Jürgen lässt die Jungs in der Gruppe dribbeln: Nach einem Pfiff müssen sie sich auf einen Ball setzen. Bei jedem Durchgang nimmt er einen Ball weg. Zum einen steht der Spaß im Mittelpunkt: Andererseits wird Reaktionsschnelligkeit, Technik und Durchsetzungsvermögen antrainiert. Dann ziehen Tanyel und Loris eine Station weiter. Sie üben "Flanke-Kopfball-Tor" bei Ex-Nationalspieler Thomas Wolter. Sie sind zu jung, um sich an Wolter als Werder-Fußballer zu erinnern. Dennoch wissen sie, wer er war: "Ja, ich glaube, das war mal ein richtig Guter", charakterisiert Tanyel den blonden Hünen. Nach zwei Stunden ruft Auetals Jugendobmann Abbi Kaya die Fußball-Kinder zusammen: "So, gut gemacht und Schluss für heute!" Sie fahren zum zweiten Auetaler Fußballplatz nach Toppenstedt, um dort das Freundschaftsspiel Auetal gegen Werder II (1:10) zu genießen.

Eigentlich dominiert im Hamburger Süden ja die schwarz-weiß-blaue HSV-Raute. Dass aber der TSV Auetal eine so starke Verbindung zum Hass-Verein vieler HSVer pflegt, hat unter anderem persönliche Gründe: Der Kontakt zwischen den Vereinen ist durch Olaf Rebbe entstanden. Der Betriebswirt und frühere Auetaler Spieler absolvierte einst ein Praktikum in der Marketing-Abteilung von Werder Bremen und arbeitet inzwischen als Key-Account-Manager für die Werderaner. Seitdem finden regelmäßig Kooperationen statt.

Fußball-Talente, die bisher noch keine Einladung zu einem Probetraining bei Werder oder dem HSV bekommen, sollten übrigens nicht verzweifeln. Bayern-Spieler Thomas Müller, der jetzt bei der Fußball-WM in Südafrika zum Shooting-Star wurde, flutschte in der Vergangenheit den deutschen Talentspähern durchs Netz und gehörte vor einem Jahr bei der U21-Europameisterschaft in Schweden nicht mal zum Kader von Europameister Deutschland. Der Rest ist brandaktuelle WM-Geschichte . . .

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Telefonnummern zum Karrierestart

Kontakt zum Jugendobmann des TSV Auetal - Abdullah Kaya - ist unter Telefon 01 76/48 82 40 68 möglich. Ambitionierte Nachwuchskicker, die die Raute im Herzen tragen, sollten sich über das Angebot der HSV-Fußballschule informieren: Telefon 0 40/41 55 10 36 oder 0 40/41 55 10 49. Die meisten Termine in dieser Sommer-Saison sind bereits ausgebucht. Freie Plätze gibt es noch bei den Camps vom 5. bis 9. Juli in Kirchgellersen und Pattensen sowie vom 11. bis 15. Oktober beim HTB in Heimfeld.