Rugby

Rippenprellung bei den "Raufbolden"

Wie fühlt es sich an, in eine unbekannte Sportart einzutauchen? In den vergangenen Wochen hatten sich die HAN in ihrer Serie bereits an Fechten und Football getraut. Nun durfte es etwas härter werden. HAN-Reporter Kaj Mortensen hat sich an Rugby gewagt, bei dem es im Gegensatz zum Football weitgehend ungepolstert zur Sache geht.
Rugby, Harlebats, Marcel Bleyl, Jesteburg, Geesthacht

Angeschoben: Harlebats-Co-Trainer Marcel Bleyl (links) und HAN-Mitarbeiter Kaj Mortensen (ganz rechts) beim Gedränge.

Jesteburg. "Rugby ist eine von Gentlemen gespielte Raufbold-Sportart", heißt es in einem britischen Sprichwort. Ich stürze mich in eine wilde Horde von mehr oder weniger kräftig gebauten "Rugger Boys" ("Rugby-Jungs"), wie sie sich selbst gern nennen.

Mein erster Eindruck ist positiv. Ich bekomme als Gastspieler ein Trikot geliehen. Es ist schön grün und schwarz entworfen, tailliert geschnitten und aus reißfestem Material. Da kann man ruhig den Gegner zu Boden ziehen, ohne Angst haben, ihm das Trikot zu zerreißen. Co-Trainer Marcel Bleyl, der äußerlich wie der "Madness"-Sänger Suggs aussieht, nimmt mich an die Seite und weist mich kurz ein. Ihm sieht man den Rugby-Spieler schon von Weitem an: ein blonder Hüne, der regelmäßig in die "Mucki-Bude" geht und richtig gut austrainiert wirkt. Bei den ersten Übungen kann ich noch mithalten. Laufen und "Aufsammeln", Kniebeugen, Seitenschritte und leichte Steigerungsläufe. Auch bei den ersten Liegestützen kann ich noch mithalten. Dann wird es kompliziert. Mit Marcel und René bilde ich eine Dreiergruppe. Wir sollen uns abwechselnd den Ball klauen, ihn für den Mitspieler freisperren, antäuschen und uns dann in den Gegner wieder reindrehen. Aber wer ist Gegner und wer Mitspieler? Und in welche Richtung soll ich antäuschen und in welche passen?

Nach einer Viertelstunde stoße ich erstmals an meine Grenzen. Das bleibt für den Rest des Tages so. Tiefpunkt im wörtlichen Sinne: Im Gedränge liege ich ganz unten und ein Erste-Reihe-Spieler, der äußerlich der Bruder des Rocksängers Meat Loaf ("Fleischklops") sein könnte, stürzt auf mich. Ein stechender Schmerz fährt mir durch die Glieder. Zunächst befürchte ich einen Rippenbruch und bekomme kaum noch Luft. Ich beiße auf die Zähne und versuche, die nächsten Übungen mitzumachen. Nach einer Dreiviertelstunde geht nichts mehr. Jedes Atemholen tut weh und ich muss das Training abbrechen.

Beim anschließenden Bier mit den Harlebats erfahre ich: Eigentlich bin ich glimpflich davongekommen. Ein Harlebats-Spieler hat sich kürzlich beim Siebener-Rugby eine Rippe gebrochen und sich mit den Worten abgemeldet: "Ich bin dann raus!" Schmerzen mildern kann das wenig. Für den Rest des Abends und der Nacht schmerzt der Brustkorb. Ich spüre, wo meine Rippenbögen sitzen.

Rugby ist ein harter Sport mit Verletzungsrisiko. Ein Zahnschutz und Rugbystiefel mit Stahlkappe empfehlen sich. Da der Sport athletisch ist, sollte man zweimal wöchentlich trainieren. Beim Rugby finden Spieler aller Figuren ihren Platz. Schlanke oder Kleine kann man zum Beispiel als Gedrängehalb (verteilt den Ball aus dem Gedränge) oder Flügelstürmer einsetzen. Wer in die Faszination des Rugbys eintauchen will, sollte in Großbritannien ein Länderspiel besuchen. Einen Eindruck bekommt man via Fernsehen jedes Frühjahr beim europäischen "Six Nations" oder im Herbst bei Testspielen von Australien, Neuseeland und Südafrika in Großbritannien.

Für Einsteiger bieten die Harlebats mittwochs von 18 bis 20 Uhr auf dem Sportplatz Jesteburg ein Training an. Kontakt: Matthias Abel 01 72/4 02 99 41, Henry M. Blunck 01 71/ 9 41 03 30.

Die Harlebats

Infobox

Die Harlebats

Die Keimzelle der Harlebats war eine Rugby-AG des Abitur-Jahrgangs 1997 des Buchholzer Albert-Einstein-Gymnasiums. Daraus bildete sich eine Rugby-Abteilung im TSV Buchholz 08. 2003 wechselte man zum VfL Jesteburg. Maskottchen und Namensgeber ist das australische Tier Wombat (Plumpbeutler). Um die Kräfte zu bündeln, bildeten die Wombats 2006 eine Spielgemeinschaft mit den Harlekins im VfL Geesthacht. Aus dieser Kombination ergaben sich die Namen "Harlebats" und "Jestehachter". Saisonstart in der Regionalliga Nord ist am Sonnabend bei Adler Kiel. (km)

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