Interview
"Wer hier aufwächst, der bleibt"
Der TuS Finkenwerder ist wieder da! Nach dem Abstieg aus der Fußball-Bezirksliga Süd in der Vorsaison gelang dem Klub der sofortige Wiederaufstieg in besonders souveräner Manier drei Spieltage vor Schluss.
Finkenwerder. Vater des Erfolgs ist TuS-Trainer Marco Hensel (34), der zu Jahresbeginn 2010 den Posten übernahm und nach desolater Hinrunde den Klassenerhalt in der Bezirksliga Süd zwar klar verfehlte, aber eine ansprechende Rückserie mit dem Team hinlegte. In dieser Spielzeit führte Hensel seine Elf zurück in die Erfolgsspur - mit zum Teil ungewöhnlichen Methoden, wie er im HAN-Interview verrät:
HAN: Herr Hensel, ihr Team dominierte die Kreisliga vom Start weg. Inwiefern kann man von einem verdienten Aufstieg sprechen?
Marco Hensel: Gleich am Saisonanfang habe ich gesagt: Wenn alle Leute aus dem Bezirksliga-Kader dabei bleiben, dann steigen wir auf. Das ist so eingetreten. Wir hatten eine vernünftige Vorbereitung - und dann lief alles. Zweifel gab es nicht, weil ich unsere Qualität kenne und wir außerdem die Verfolger Buchholz II, Türkiye II und Altenwerder II in den direkten Duellen geschlagen haben.
Ihr Sturmduo Claas Rehder und Kai Vollpott, beide jetzt kurz vor Saisonende mit jeweils weit über 20 Toren, weckt doch sicher Begehrlichkeiten anderer Teams.
Glaube ich nicht. Die beiden angesprochenen Spieler kommen aus Finkenwerder, und sie werden bleiben. Wer in Finkenwerder aufwächst, bleibt da auch. Das ist nicht wie in Harburg, wo es an jeder Straßenecke einen Fußballverein gibt.
Auf welcher Position gibt es für die Bezirksliga am ehesten Handlungsbedarf?
Bedarf gibt es sicher auf der Torhüterposition. Dort haben wir zur Zeit nur unseren ehemaligen A-Jugendlichen Niclas Schramm. Wenn er sich verletzten sollte, haben wir Not am Mann. In dieser Serie hat unser Altherren-Keeper Michael Triebe einige Male ausgeholfen. In der Kreisliga geht diese dünne Besetzung noch, in der Bezirksliga nicht.
Sprints mit Reifen oder im tiefen Sand, Wasserläufe im Freibad, Nacktarschsschießen - dürfen sich Ihre Spieler auch zur kommenden Vorbereitung wieder auf ungewöhnliche Trainingsmethoden freuen?
Ich war zu meiner aktiven Zeit nie der laufstärkste Spieler, habe die Vorbereitung gehasst wie jeder Spieler es auch heute noch tut. Deshalb muss Spaß dabei sein. Ich habe mir eine Woche Gedanken gemacht. Das "Nacktarschschießen" beispielsweise entstand aus dem Lattenschießen: Die fünf schlechtesten Schützen daraus mussten sich ins Tor stellen, die anderen durften aus 16 Metern Vollspann auf die Hinterteile draufhalten. Unser Kapitän Claas Rehder war dabei der Leidtragende.
Welche Rolle spielt beim TuS Finkenwerder der Teamgeist?
Bevor ich als Trainer hier übernommen hatte, habe ich von meinen alten Trainern wie Lothar Dittmer und Stefan Arlt eines gelernt: Die Disziplin ist ganz wichtig. Wenn Treffpunkt zu der und der Zeit ist, dann ist Treffpunkt! Wenn eine Hochzeit gefeiert wird, kommen alle! Zu spät kommen haben wir anfangs mit einem Euro pro Minute bestraft. Daran hatten einige zu knabbern, nach zwei bis drei Wochen lief es dann aber.
