Quälen für den Erfolg
Mein Sport tut richtig weh
Schweiß strömt über den Oberkörper, am Hals treten die Adern fingerdick hervor, und an der Schläfe pocht es gefährlich. Die Anstrengung ist Berat Tolga Aciksari ins Gesicht geschrieben. Was wie Folter aussieht, ist für Berat Trainingalltag. Dutzende von Situps und Liegestützen, schmerzhaftes Bauchmuskeltraining mit dem Medizinball. "Unsere Sportart tut eben weh", sagt Mecit Cetinkaya, seit zwei Jahrzehnten Boxtrainer beim TuS Finkenwerder und auch Coach von Berat.
Finkenwerder. Aber diesem Training verdankt Aciksari seine größten Erfolge. Mehrfacher Hamburger Meister, Norddeutscher Meister, Bronze bei der DM 2010 - und sogar Türkischer Meister 2010 im Weltergewicht (bis 69 kg) bei den Männern. Für diesen Titel hatte Berat besonders hart an sich gearbeitet. In der Vorbereitung stand er jeden Morgen um 5.05 Uhr auf, lief eine halbe Stunde. Dann Duschen, Frühstück, anschließend mit Bus und Bahn zur Arbeit. Der 19-Jährige macht eine Ausbildung zum Autolackierer in Farmsen. Nach Feierabend wieder zurück nach Finkenwerder, kurze Erholungspause, ein kleiner Imbiss. Pünktlich um 19.30 Uhr dann 150 Minuten Boxtraining in der Gorch-Fock-Halle.
Steht keine Meisterschaft oder Titelkampf an, trainiert der 19-Jährige dreimal die Woche (plus Joggingläufe). Sein Pensum schildert Trainer Cetinkaya so: "Das Training beginnt mit Aufwärmen, Technik, Taktik und Sparring, bevor dann bis zu zwei Stunden an Schnelligkeit und Ausdauer gearbeitet wird." Das ist laut Aciksari auch das Anstrengendste - das schlagstarke Talent "fürchtet" die Zirkelarbeit, die Cetinkaya am Ende eines Trainings platziert. Gewichte stemmen, Liegestütze, Bauchaufzüge - das tut richtig weh.
"Ohne Disziplin hältst du als Boxer auf diesem Niveau vielleicht ein Jahr aus", sagt Cetinkaya. Sein Schützling Aciksari kann sich ernährungstechnisch disziplinieren, verzichtet größtenteils auf fettreiche Kost wie Schokolade oder Chips, baut eher auf Kohlenhydrate. Sollte er dennoch mal etwas zu viel Gewicht mitbringen, steckt ihn sein Trainer zum "Abkochen" auch schon mal in die Sauna oder bei den Übungen in einen Schwitzanzug, zum Beispiel in eine dicke Nylonjacke. 80 Kämpfe hat Aciksari bereits im Jugend- und Männerbereich bestritten. "Normal haben Kämpfer in seinem Alter etwa 40 bis 50 Fights hinter sich", sagt Mecit Cetinkaya. Und weiter: "Sein Fleiß, seine Kontinuität, seine Bereitschaft, sich im Training zu quälen, zeichnen ihn aus."
