HAN-Interview

"Wir packen uns nicht in Watte"

Das internationale Geschäft ist das erklärte Ziel des VT Aurubis Hamburg. Mindestens Platz 4 muss dafür erreicht werden. Nach dem 0:3-Heimdebakel gegen Aachen aber scheint dieses Ziel ernsthaft in Gefahr. Nie zuvor hatte sich der Bundesligist schwächer gezeigt als im Spiel gegen die Westdeutschen. Nur ein Ausrutscher? Oder erste Anzeichen einer Krise? Die HAN sprachen mit Spielführerin Imke Wedekind (27).
Wedekind

VTA-Mannschaftsführerin Imke Wedekind.

 

HAN:

Was sagte der Trainer nach der Aachen-Niederlage?

Imke Wedekind:

Er sagte uns sehr direkt, dass er mit der Leistung nicht zufrieden war.

Was lief konkret schief?

Wir hätten unsere Hauptangreiferin Lousi Souza Ziegler mehr unterstützen müssen. Dass eine Person allein die Verantwortung trägt, ist in einem Teamsport nicht tragbar.

Für Trainer Jean-Pierre Staelens war es die klarste Heimschlappe in seiner Aurubis-Zeit. Ist der Ton rauer geworden?

"JP" ist jemand, der schnell auf die nächste Aufgabe umschaltet. Im Training war die Stimmung nach der Niederlage gedämpfter. Das ist aber normal, wenn wir verlieren.

Der Trainer sagt, das Team habe Angst, sein wahres Können auf dem Feld zu zeigen.

Ich glaube, dass wir eher Angst haben, Fehler zu machen, dadurch uns selbst blockieren.

Wie können Sie diese Blockade lösen?

Wenn wir das wüssten, hätten wir das schon gemacht.

Unter Staelens hatten Sie 19 verschiedene Mitspielerinnen in 18 Monaten. Zu viel?

Es ist schon wichtig, dass wir länger zusammenspielen und die Feinabstimmung in unserem Team hinbekommen. In der vergangenen Saison hat es nicht funktioniert.

Im vergangenen Jahr hat zumindest die Ex-Zuspielerin Karmen Kocar mal auf den Tisch gehauen. Sind die Spielerinnen im Kader 2011/12 also zu brav?

Es gibt einfach unterschiedliche Charaktere. Ich zum Beispiel bin kein Mensch, der jemanden anschreit.

Kim Staelens und Mareike Hindriksen sollen am ehesten das Wort in der Kabine führen.

Ja, das sind schon die zwei, die was sagen. Die reden schon mal Klartext.

Empfinden Sie die Wortführe-rinnen als Unterstützung

in Ihrer Kapitänsrolle?

Ich bin dankbar, wenn Leute etwas sagen. Ich fühle mich da eher unterstützt.

Schreien Sie sich auch mal im Training an?

Nein. Obwohl ich weiß, dass viele von außen genau das verlangen. Wir machen unsere Arbeit schon gut und packen uns nicht in Watte.

Sie haben als Saisonziel Platz 1 bis 3 ausgegeben. Haben Sie jetzt Zweifel?

Überhaupt nicht.

Wenn solche Auftritte wie gegen Aachen zur Gewohnheit werden, kann die Rückrunde ganz schnell in die Hose gehen. Was würde das für die Zukunft des VTA bedeuten?

Die gesamte Saison wird sehr entscheidend für unsere Zukunft. Dadurch, dass wir die neue Arena haben, wir mehr in der Öffentlichkeit weit über Harburg hinaus stehen, sollten wir solche Spiele wie gegen Aachen nicht wiederholen. Dann kommen die Leute nämlich nicht wieder.

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Andrea Berg kommt in die CU Arena

Mit dem USC Münster kommt morgen um 18 Uhr ein Spitzenteam in die CU Arena. Der USC ist Tabellenvierter und hat die vergangenen vier Ligaspiele gewonnen - dabei die Roten Raben vom Tabellenführer Vilsbiburg und Pokalsieger Smart Allianz Stuttgart jeweils in 3:0-Sätzen bezwungen. Imke Wedekind, nun im sechsten Jahr beim VTA, wird sich heiße Duelle mit Andrea Berg (30) liefern. Die Mittelblockerin ist Münsters Mannschaftsälteste und hat zumindest von der Größe her Nachteile: Wedekind misst 1,96 Meter, Berg 1,90 Meter.