Radsport

Harburg laufen die Talente weg

Die Harburger Radsport-Gemeinschaft (HRG) verliert ihre größten Talente: Nach Jannick Geisler (Heizomat) im vergangenen Jahr wagen nun auch Julian Lehmann (Stevens) und Felix Rieckmann (Jenatec) den Sprung zu Profiteams. Sportlich ein Riesenverlust für die HRG. Ihr Förderer und Trainer, HRG-Sportwart Frank Plambeck (51), erklärt im HAN-Interview, wie es nun weitergehen soll.
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Felix Rieckmann (von links) und Julian Lehmann folgen Jannick Geisler ins Radprofigeschäft. Alle sind sportlich bei der Harburger RG groß geworden.

 

HAN:

Wie haben Sie die Nachricht von den Wechseln aufgenommen?

Frank Plambeck:

Ich hatte es erwartet. Als Trainer stehe ich mit den Jungs täglich in Verbindung. Wir hatten auch Phasen in ihrer Jugend, da sind andere Vereine und auch Sportschulen an sie herangetreten. Dass jetzt Julian Lehmann und Felix Rieckmann zu guten Teams wechseln, befürworte ich. Nur so können sie sich weiterentwickeln.

Geisler, Lehmann und Rieckmann haben zusammen fünf Meistertitel geholt. Geht bei der HRG eine Ära zu Ende?

Für den Verein war es ein Glücksfall, dass diese drei Jungs zur selben Zeit da gewesen sind. Sie waren der Grundstein dafür, dass der Verein an Mitgliedern enorm gewachsen ist. Im Gesamtverein ging der Zuwachs von 130 auf 200, in der Jugendabteilung von zehn auf 50.

Wie soll der Neuaufbau aussehen?

Nachwuchsarbeit bleibt weiterhin unser Ziel. Die größte Qualität sehe ich da im Schülerbereich. Da sind wir dabei, über die Kooperation mit dem Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Wilstorf wöchentlich ein Training anzubieten. Das größte Talent hat zurzeit mein Sohn Moritz (10). Er hat drei gleichaltrige Freunde mitgebracht - so war das damals bei Jannick und Felix ja auch.

Muss die HRG für neue Vorzeigefahrer auch mal mehr Geld in die Hand nehmen?

Das liegt nicht am Geld, sondern rein am Engagement des Vereins. Für die Rennfahrer war es ein Glücksfall, dass sie an den richtigen Trainer und die ideale sportliche Umgebung geraten sind. Wenn wir jetzt zufällig auf einen neuen Geisler, Rieckmann oder Lehmann treffen, dann würden wir mit ihm genau die gleiche Arbeit machen.

Könnten die Abgänger irgendwann wieder zur HRG zurückkehren? Vielleicht als Trainer?

Keiner ist aus dem Verein ausgetreten. Wenn einer von ihnen den Trainerjob machen würde, dann weiß ich: "Der kennt sich aus."

Was motiviert Sie, trotz der Abgänge weiterzumachen ?

Bitter ist es natürlich schon, wenn auf einmal so viele Leute die Lizenz woanders lösen. Die Motivation ist ehrlich gesagt im Moment nicht so, wie sie vor drei Jahren war, als wir einen Titel nach dem anderen gewonnen haben. Weil ich weiß, wie schwer es ist, von unten neu aufzubauen. Das läuft nur, wenn man das ganze Jahr ansprechbar ist und selbst jeden Tag präsent ist.