HAN-Gespräch mit HSV-Legende Willi Schulz

Der "Faktor Fink" entscheidet

Für die HSV-Fans waren es bittere Monate - eine Hinrunde voller Enttäuschungen. Platz 13, viel weniger, als sich auch die Stars mit der Raute auf dem Trikot vorgenommen hatten. Mit dem Rückrundenstart an diesem Wochenende soll vieles besser laufen. Trainer Thorsten Fink hat sogar einen Platz im oberen Tabellendrittel als möglich bezeichnet. Realistisch? Die HAN sprachen mit HSV-Legende Willi Schulz (73, acht Jahre HSV-Spieler, vier Jahre im Aufsichtsrat des Klubs) über die Aussichten des HSV in der Rückrunde.

Hamburg. Schulz misst dem Auftakt gegen Borussia Dortmund am Sonntag entscheidende Bedeutung bei. Das Duell mit dem Meister ist für ihn "das Schlüsselspiel". "Wenn gegen den BVB gewonnen wird, ist das das richtige Signal. Dann bestehen noch Chancen auf einen internationalen Platz", sagt Schulz. Das erneute Abrutschen des Vereins in Abstiegsregionen befürchtet der gebürtige Westfale dagegen nicht mehr. Wenn der Rückrundenstart klappt . . .

Schulz ist aus zwei Gründen von einem positiven Saisonverlauf überzeugt: "Der entscheidende Faktor ist Thorsten Fink." Der 44-jährige Coach habe "frischen Wind, neue Ideen und Selbstvertrauen" in die Elf gebracht. Ein "gelungener Wurf" des HSV, so Schulz. Zum anderen hat er einen guten Eindruck vom stark verjüngten Team. "In den vergangenen Spielen ist die Mannschaft stetig besser geworden." Auch für die schwache Hinrunde der Hanseaten hat Schulz eine Erklärung. Der fällige Umbruch sowohl im Kader als auch in der Chefetage des HSV habe eben Eingewöhnung gebraucht. Es sei in dieser neuen Konstellation in der "stärksten und ausgeglichensten Liga der Welt" schwierig, eine tragende Rolle zu spielen, so Schulz.

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"World Cup Willi"

Willi Schulz wurde am 4. Oktober 1938 in Wattenscheid geboren. Der 66-fache Nationalspieler spielte als Vorstopper nur bei zwei Profi-Vereinen in Deutschland. Von 1960 bis 1965 trug er königsblau, spielte 135-mal (acht Tore) für Schalke 04. Die restlichen acht Jahre seiner Karriere trug er das HSV-Trikot (211 Einsätze, drei Tore). Schulz gehörte zum DFB-Aufgebot bei den WM-Turnieren in Chile (1962), England (1966) und Mexiko (1970). Sein legendärstes Spiel: Das verlorene WM-Finale 1966 im Wembley-Stadion gegen England (2:4 nach Verlängerung). Seit dem trägt er den Spitznamen World Cup Willi. Schulz blieb dem HSV als Vereinsmitglied treu. Vier Jahre lang war er Mitglied des Aufsichtsrats des Hamburger Traditionsvereins.