Radcross

Gesa startet vor 50 000 Fans

Leistungssport oder Berufsausbildung? So manche hoffnungsvolle Karriere ist an diesem Spagat zerbrochen. Für die Buchholzerin Gesa Brüchmann ist das aber kein Problem. Radsport und die Ausbildung zur Physiotherapeutin? Sie bringt beides unter einen Hut. Problemlos. Am Wochenende steht der Sport im Vordergrund. Die 21-Jährige startet bei der Cross-WM im belgischen Koksijde für Deutschland.
Gesa Brüchmann

Gesa Brüchmann beim Crossrennen in Hoogerheide (Niederlande).

Buchholz. Die Entscheidung, zweigleisig zu fahren, fiel 2009. Während ihres fünfmonatigen Auslandsaufenthalts im kanadischen Ottawa dachte die damals 19-Jährige viel nach. Irgendwann stand sie schließlich vor der Frage: "Reicht mir der Radsport allein?" Und die Antwort kam schnell: Der Radsport ist ein großer Teil, aber nicht alles in ihrem Leben. "Ich brauche noch mehr Stress", sagt Brüchmann heute.

Die ambitionierte Mountainbike- und Crossfahrerin lebt mittlerweile in Göttingen, ist im zweiten Jahr ihrer Physiotherapeuten-Ausbildung. Ein Vollzeit-Job, doch die junge Frau ist ihrem Sport treu geblieben. Lauf- und Fitnesseinheiten plus Training auf dem Rad und auf der Rolle folgen nach der Arbeit.

Trotz einiger Krankheiten und der beruflichen Belastung hat Gesa Brüchmann bislang eine erfolgreiche Cross-Saison bestritten. Vor einigen Wochen holte sie sich den Gesamtsieg im SKS-Deutschland-Cup. Beim traditionellen Weihnachts-Cross in der Haake fuhr sie auf Rang 2. Bei den nationalen Meisterschaften langte es zu Platz 4 und somit zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft, die am Wochenende in Koksijde (Belgien) ausgefahren wird. Sonntag geht sie im Elitefeld der Frauen an den Start. Die Teilnahme ist schon ein Erfolg: "Ich habe alle Ziele in dieser Saison erreicht. Die WM ist das Sahnehäubchen."

Dass es auf der WM-Strecke anstrengend wird, weiß sie bereits: "Ich bin dort schon in dieser Saison Weltcup gefahren. Insgesamt muss ich dort viel im Sand laufen", berichtet Brüchmann. Es ist für die 21-Jährige der zweite WM-Auftritt. 2009 stürzte sie bei ihrer Premiere in Hoogerheide (Niederlande) und musste aufgeben.

Das soll ihr dieses Mal nicht widerfahren. In der Formulierung ihrer Ziele für das WM-Rennen ist Gesa Brüchmann vorsichtig: "Eine Top-20-Platzierung wäre schön. In erster Linie will ich durchfahren", sagt sie. Beim Weltcup Ende November auf der WM-Strecke wurde sie 23. - wie auch bei der Generalprobe am vergangenen Wochenende in Hoogerheide.

Der Radcross fasziniert Brüchmann: "Das ist sehr speziell. Ich mag einfach das Rennfeeling beim Cross." Und das vor großem Publikum. Bei der WM werden 50 000 Zuschauer an der Strecke erwartet.

Im Vordergrund steht aber der Beruf. Brüchmann plant nach der Ausbildung ein Studium in Hildesheim. Eine Olympia-Teilnahme in ihrer Sommerdisziplin Mountainbiking in London hat Brüchmann deshalb hintangestellt. Rio de Janeiro 2016 kann ein Thema werden, aber: "Erst einmal soll die Ausbildung fertig sein."

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Sonntag ist Renntag

Gemeinsam mit Sabrina Schweizer (21) aus Wangen bildet Gesa Brüchmann das deutsche Team bei der Cross-WM in Koksijde. Das Frauen-Elite-Rennen beginnt am Sonntag ab 11 Uhr. Renndauer für die 45 Starterinnen: 40 Minuten. Insgesamt startet der Bund Deutscher Radfahrer bei der WM mit 15 Fahrern.