Tischtennis
Noch sechsmal Bundesliga
Freitagabend in Tostedt: Die Tischtennis-Frauen des MTV bereiten sich in der Sporthalle Poststraße auf das Bundesliga-Heimspiel gegen den TSV Schwabhausen vor. Doch nur etwa einen Kilometer Luftlinie entfernt verkünden Trainer Jimmie Langham und Manager Friedel Laudon im Gasthaus Wiechern das Ende einer Ära: Nach elf Jahren Ligazugehörigkeit wird der MTV seine Mannschaft zur Spielzeit 2012/13 aus dem Oberhaus zurückziehen. Künftig wird in Tostedt nur noch in Liga 2 geschmettert.
Tostedt. Jahr für Jahr sei es schwieriger geworden, den Saisonetat, der seit Jahren konstant bei etwas mehr als 60 000 Euro liegt, zusammenzubekommen. Die steigenden Kosten konnten nicht durch neue Sponsoren ausgeglichen werden. Laudon: "Für die Versicherung der Spielerinnen verlangt die Berufsgenossenschaft 22 Prozent des Gehalts, die wir obendrauf zahlen. Das sind die gleichen Sätze, die bei Eishockeyspielern und Boxern verlangt werden." Langham: "Von Spielräumen für mittel- und langfristige Planungen kann schon lange keine Rede mehr sein."
Auch wenn sportlich keine Not droht, zog der dienstälteste Bundesligist die Notbremse und sparte auch nicht mit Kritik: "Spitzensport ist ein Pfund, mit dem die Gemeinde wuchern könnte. Aber von der Politik wird das nicht honoriert", beklagte der MTV-Vorsitzende Günter Bannehr "mangelnde Unterstützung aus dem Tostedter Rathaus".
Aus dem aktuellen MTV-Team werden sich Han Ying und Nadine Bollmeier höchstwahrscheinlich anderen Vereinen anschließen. Svenja Obst soll gehalten werden. Die derzeitige Spielertrainerin Tanja Kostromina soll, wenn sie bleibt, nur als Spielerin an der Platte stehen. Neuer Coach wird Dirk Diefenbach, der momentan für die zweite Mannschaft (Vorletzte in der 2. Bundesliga) verantwortlich ist.
In Liga 2 und in der Regionalliga will der MTV eine gute Rolle spielen und sein Motto "Eine Chance für den Nachwuchs aus der Region" noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Eine Rückkehr in die Bundesliga sei durchaus vorstellbar, sagt Langham. "Aber nicht um jeden Preis."
Sechs Spiele haben die Tostedterinnen jetzt noch vor sich - dann ist Schluss. Die nächsten vier Partien werden auswärts ausgetragen. Am 29. April und am 6. Mai stehen dann die beiden letzten Heimspiele gegen Bingen und Essen auf dem Programm.
Friedel Laudon: "Es ist schade, aber für den Fortbestand des Tischtennissports in Tostedt ist der Rückzug aus der Bundesliga die einzige richtige Entscheidung."
