Rollstuhl-Basketball

Harburgs einzige Gold-Athletin

Sie hat ein Stück Geschichte geschrieben. Mit Maya Lindholm hat Harburgs seine einzige Goldmedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen in London. Bei den Paralympics war sie Aufbauspielerin des deutschen Rollstuhl-Basketballteams, das im Finale mit 58:44 deutlich gegen die favorisierten Australierinnen siegte.
Maya Lindholm

Maya Lindholm hat bei den Paralympics in London im Rollstuhl-Basketball eine Goldmedaille gewonnen.

Harburg. Zwar hatten auch Hans Melzer und Markus Weise Gold in London geholt. Doch beide als Trainer bei den Olympischen Spielen - Melzer in der Vielseitigkeits-Reiterei (Einzel und Mannschaft), Weise als Chef der Herren-Hockey-Mannschaft. Maya Lindholm aber war als Athletin erfolgreich. Doch nicht nur darauf kann die 21-Jährige stolz sein.

Ihr wohl größter Sieg ist die Art und Weise, wie sie ihr Leben im Rollstuhl angenommen hat. Denn sie kann sich noch genau daran erinnern, wie es ist, einfach aufzustehen und loszulaufen. Doch mit 13 Jahren wachte sie eines Morgens mit starken Rückenschmerzen auf, wenig später konnte sie ihre Beine nicht mehr bewegen. Die Diagnose: Rückenmarksentzündung mit inoperablen Nervenschäden. Nach einem halben Jahr Reha stand für die Hausbrucherin ein Wechsel von der Gesamtschule Süderelbe an die Gesamtschule Harburg an, weil es dort Integrationsklassen gab. 2011 "baute" sie dort ihr Abitur. Der Querschnittsgelähmten, die um den Sport immer einen großen Bogen gemacht hatte, wurde körperliche Betätigung "verschrieben". Und so entdeckte sie als echte Kämpfernatur den Basketball- seit 2005 beim HSV. Da quietschen die Reifen, wenn auf engstem Raum erst gestoppt und dann gewendet wird. Da knallt und scheppert es, wenn zwei Spielerinnen im Kampf um den Ball gegeneinander fahren, Stürze gehören zum Geschäft. "Man muss schon hart im Nehmen sein, Rollstuhl-Basketball ist kein Mädchensport", sagt die Aufbauspielerin. Sie weiß, wovon sie spricht, schließlich hat sie es schon weit gebracht: Europameisterin 2009 und 2011, Deutsche Meisterin und Vizeweltmeisterin 2010 - jetzt olympisches Gold.

"Schon vor dem Abflug nach London war ich ganz schön hibbelig. Olympische Spiele sind eben etwas ganz Besonderes", sagt Maya Lindholm. Die zwei Wochen im Olympischen Dorf hat sie genossen: "Zwar waren die Zimmer recht klein, auch zeigten sich erste Abnutzungsspuren, nachdem hier ja schon die {sbquo}Fußgänger’ gewohnt hatten. Doch alles war rollstuhlgerecht eingerichtet. Auch das Essen hat geschmeckt."

In den zum Teil nicht einfachen Vorrundenspielen gegen China, Frankreich und Mexiko kam sie zum Einsatz. "Wie glatt und eindeutig der Final-Sieg gegen Australien dann aber gelaufen ist, hat uns alle überrascht", sagt Lindholm: "Ein Erfolg, der bei uns noch lange nachhallen wird."

Dann war da noch die Abschlussfeier, die sich auch tief in das Gedächtnis "eingegraben" hat: "Wir standen mit den Rollis direkt vor der Bühne. Superstar Rihanna ist unmittelbar an mir vorbeigegangen. Ein tolles Erlebnis."

Weniger begeistert ist die 21-Jährige jedoch häufiger im Alltag: "Nur weil ich im Rollstuhl sitze, habe ich kein Mitleid verdient. Ich habe ein Handicap, bin aber gerade deswegen auch eine starke Frau." Harburg hat sie sich nach einem Abstecher nach Allermöhe wieder als Wohnort gewählt, "weil Harburg ein wirklich gutes Pflaster für Rolli-Fahrer ist. Hier passt vieles, was etwa an den Bahnhöfen Landungsbrücken und Berliner Tor noch fehlt."

Doch seit sie ihren Führerschein gemacht hat und mit einem Ford Focus ("Der bietet genügend Platz für zwei Personen und die Rollstühle") ist sie ohnehin selbstständiger.

Seit Anfang Mai absolviert Maya Lindholm ihre dreijährige Ausbildung zur Ergotherapeutin in einer Praxis in Harburg - "weil ich da Menschen mit gleichem Handicap zweifellos gut helfen kann. Genau das will ich."

Infobox

Saisonstart gegen Trier

Wer Maya Lindholm in Aktion erleben will, hat dazu am Sonnabend, 29. September, die Möglichkeit. Das Rollstuhl-Basketballteam des HSV in der 1. Damen-Bundesliga startet dann ab 17 Uhr in der Sporthalle Wandsbek (Rüterstraße 75) in die neue Saison gegen die Dolphins Trier. "Und zu diesem Spiel wünsche ich mir mehr Zuschauer als bisher. Unser Team hat es verdient!", sagt Lindholm.