Gerd Sidden
Einmal um den Erdball
Für den Umzugsunternehmer Ingmar Vorpahl hat sich beim Ausräumen der Wohnung von Gerd Sidden und seiner Frau Annerose, die jetzt ins Seniorenheim Eichenhöhe gezogen sind, ein echter Schatz offenbart.
Eißendorf. Im ehemaligen Kinderzimmer fanden sich jeweils mehr als 100 Medaillen und Urkunden sowie fast ebenso viele Pokale, Trophäen, Ehrenteller und Anstecknadeln, die Zeugnis ablegten über die rege sportliche Tätigkeit ihres Besitzers.
Der 83-jährige Wohnungsinhaber hat in der Mitte seines Lebens an unzähligen Volksläufen teilgenommen und dabei, wenn man die Trainingszeiten mitrechnet, den Erdball im Laufschritt ungefähr einmal umrundet.
Erst im Alter von 40 Jahren kam Gerd Sidden auf den Geschmack am exzessiven Sport. Zwar hatte der gebürtige Veddeler als Kind und junger Mann Fußball gespielt, dies später aber aufgegeben. Doch dann begeisterte ihn sein Bruder Bernd, heute 81 Jahre alt und immer noch aktiver Sportler, für die Leichtathletik. Gerd Sidden legte das goldene Sportabzeichen ab und trat zugleich in die Faustball-Abteilung des HTB ein, außerdem nahm er das Langlauf-Training auf.
"Begonnen habe ich langsam - mit zehn Kilometern", erzählt der gelernte Bäcker, der später bei der Phoenix seinen Lebensunterhalt verdiente. "Das steigerte sich dann bis hin zu 100-Kilometer-Läufen - viermal in Unna, zweimal in Biel in der Schweiz." Auch viele Dutzend kürzere Läufe absolvierte er in den kommenden Jahren: zum Beispiel die 75 Kilometer rund um Fehmarn, zweimal die Strecke Lübeck-Hamburg, eine 62-Kilometer-Distanz, den Süderelbe-Marathon von Neugraben ins Alte Land, den Wilhelmsburger Insellauf und viele mehr. Sogar seine Frau Annerose, heute 75, ließ sich manchmal davon begeistern mitzulaufen - dann allerdings nur kurze Strecken bis fünf Kilometer - und gemeinsam mit seiner Tochter Birgit nahm er auch einmal am Alsterlauf teil.
Das Laufen, das "Atmen der Sportluft" und die Freundschaften zu seinen Sportkameraden, die zum Teil bis heute bestehen geblieben sind, nahmen im Leben von Gerd Sidden immer einen großen Stellenwert ein. "Ich brauchte das als Ausgleich zu meinem Alltag", sagt er. Nach fast 30 Jahren intensiven sportlichen Trainings musste er dann wegen einer Hüftoperation mit dem Laufen aufhören, doch den Sport lassen konnte er noch lange nicht: Er begann zu wandern und füllte Buch um Buch mit Wanderstempeln, und bis vor zwei Jahren spielte er sogar noch aktiv Faustball - seither kommt er ab und zu als Schiedsrichter zum Einsatz.
Obwohl er sich gern an die alten Sportlerzeiten erinnert, hatte Gerd Sidden seine "Trophäensammlung" schon längere Zeit nicht mehr beachtet, bis der Umzugsunternehmer darauf stieß. "Jetzt fiel es mir doch schwer, mich von allem zu trennen", sagt er. Deshalb habe er die wichtigsten und schönsten Stücke mitgenommen, sodass sie ihn und seine Frau bei ihrem Neustart begleiten.
