Ostengland
Der besondere Winkel des Königreichs
Früher empfing James Cole als Lotse Schiffe im Hafen von Harwich. Heute heißt der 75-Jährige an Land Gäste willkommen. Er trägt einen leuchtend roten Rock über blütenweißem Spitzenhemd und einen schwarzen Dreispitz auf dem schütteren Grauschopf.
Es ist die Uniform der englischen "Town Crier", die im Land der etwas schrulligen, aber liebenswerten Traditionalisten bei besonderen Anlässen vielerorts auch heute noch eine Glocke schwingend mit lauter Stimme Neuigkeiten verkünden. James Cole verkörpert seine Botschaft perfekt.
Willkommen in Ostengland, dem besonders britischen Winkel des Königreichs! Erholt Euch in gediegenen Pensionen oder romantischen Hotels, lasst in urigen Pubs die Seele baumeln! Vergesst in freier Natur die Hektik des Alltags!
Zeit spielt in Ostengland keine Rolle. In Harwichs prachtvollem Jugendstil-Lichtspielhaus, dem 1911 erbauten "Electric Palace", werden abwechselnd aktuelle Kinohits und Stummfilme mit Klavierbegleitung gezeigt. Vom properen Pierhotel aus sind bei ausgezeichnetem Dinner Frachter und Fähren zu beobachten, die im Abendrot gemächlich am alten Feuerschiff vorbei zu den modernen Terminals von Harwich ziehen. Wer Harwich verlässt, taucht augenblicklich in die sattgrüne, sanft gewellte Landschaft ein. Abseits der Hauptrouten winden sich schmale Straßen durch Wiesen und Weiler.
Das pittoreske Dedham-Tal ist dank John Constable besonders bekannt. Der Landschaftsmaler wurde 1776 in East Bergholt geboren. Die Mühle seines Vaters, Flatford Mill, hat der Künstler auf einem seiner berühmten Bilder festgehalten. Der National Trust bewahrt Gebäude und Umgebung exakt so, wie Constable sie vor 200 Jahren sah. Auch viele andere Perspektiven und Schauplätze seiner Gemälde lassen sich mithilfe von Reiseführern leicht finden. Eine Ausstellung informiert in Flatford Mill über das Leben des Künstlers.
Verwunschene Pfade laden dazu ein, auf seinen Spuren zu wandeln. Nach Dedham, wo Constable die Schulbank drückte, kann man sogar rudern. Wissensdurst wird dort nicht mehr gelöscht. Erfrischung für trockene Kehlen aber gibt es im benachbarten Tea House oder im Pub.
Wer Nostalgie mit einem Hauch von Luxus bevorzugt, sollte in nordwestlicher Richtung rund 20 Meilen nach Lavenham fahren. Der Ort, im Mittelalter blühendes Zentrum des Wollhandels, liegt heute im Dornröschenschlaf. Die Gebäude des Vier-Sterne-Hotels "The Swan" stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert und bieten unvergleichliches Flair durch geschmackvolle Kombination von Alt und Neu.
